Zum Fechten mit dem Glockenschläger

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Exposee

Die vorliegende Arbeit  möchte den Verbindungsstudenten, die sich für ein Studium an Universitätsstädten entschieden haben ,an denen das  Glockefechten traditionell weiter ausgeübt wird, nicht nur Informationen zum thematischen Hintergrund , sondern auch technische Orientierungshilfen für ein erfolgreiches Bestehen bei den zu absolvierenden Mensuren anbieten.

Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist auch die Feststellung, dass es hier aktuell nur recht wenig schriftliches Material gibt, Anleitungen weitgehend fehlen , die der gegenwärtigen Fechtpraxis positive Impulsive vermitteln könnten.

Der Leser möge bitte Verständnis dafür aufbringen, dass der Erfahrungsraum des Autors auf Berlin beschränkt ist. Es besteht dennoch die Hoffnung, dass diese Abhandlung von dem angesprochenen Kreis als förderlich empfunden und gewinnbringend aufgenommen werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Bestandsaufnahme/Kritik/Anregungen

Vorbemerkung

Eindrücke vom gegenwärtigen praktizierten studentischen Fechten mit dem Glockenschläger geben Veranlassung, einmal über seine Entwicklung in den letzten Jahrzehnten nachzudenken. Es sei gleich gesagt, dass der Autor fortlaufende Veränderungen bezüglich des fechterischen Niveaus von Generation zu Generation unserer Studenten sieht, die er überwiegend nicht als positiv erkennt. Die Beobachtungen beschränken sich auf das Fechtgeschehen auf den Mensurböden des Berliner SC.

In Ermangelung einer Fechtschule für das Fechten mit dem Glockenschläger könnte eine mit dieser Abhandlung angestoßene Diskussion zu einem Arbeitsergebnis führen, das bekannte Grundelemente wieder aufgreifen lässt und  insgesamt zu  einer klareren Struktur des Fechtens führt. Ein technisch unsauberes Aufeinander-Einschlagen sollte so vermieden werden können. Die folgende Erörterung setzt sich zunächst kritisch mit der heute zu beobachtenden fechterischen Realität auseinander. Diese Analyse mündet dann aber in das Bemühen ein, mit den nachfolgend angebotenen methodischen und technischen Hilfen einen Weg aufzuzeigen, über den unser Fechten wieder auf ein zufriedenstellendes Niveau geführt  werden kann .

Die Mensur wird auch immer hinsichtlich der gezeigten Technik beurteilt. Es fragt sich allerdings, welchen Anspruch wir dabei haben.  Der Autor sieht die Notwendigkeit von sachorientierten Gespräche, die zu einem  allgemein akzeptierten Konsens führen sollten.

Es besteht die Hoffnung, dass diese Ausarbeitung nicht nur als eine förderliche Orientierungshilfe aufgenommen, sondern auch als Basis für ein technisch zufriedenstellendes, in Teilen neu zu definierendes Fechten mit dem Glockenschläger angesehen werden kann.

Wir unterwerfen uns dem ‚Ritual‘ der Bestimmungsmensur mit scharfen Waffen. Dazu ist eine couragierte Leistung erforderlich, der wir charakterbildenden Wert

Das ‘Ritual’ der Bestimmungsmensur wird mit scharfer Klinge ausgetragen. Dazu ist eine couragierte Leistung gefragt, der wir charakterbildenden Wert beimessen. Diese Tradition leben wir im Bewusstsein um das Selbstverständnis innerhalb unserer Corpsgemeinschaft.

Den Aktiven sind die Grundschläge bekannt , die üblicher Weise bei der Mensur mit dem Glockenschläger anzubieten sind. Zusätzlich gibt es diverse Hiebvarianten. Es ist festzustellen,dass für die anzuwendende Technik jedoch leider keine neueren schriftlichen Abhandlungen vorliegen. Zudem gibt der für den Berliner SC geltende Paukcomment fast ausschließlich die Regularien für den Ablauf der Mensur vor. Zum Fechten werden nur wenige limitierenden Vorschriften genannt. Der Comment sagt damit nichts detailliert Technisches über den Hiebaustausch aus. So kommt es, dass von den Paukanten Freiräume für  wenig technisch orientierte Hiebfolgen genutzt werden können, die sich nicht mit durchaus bestehenden Vorgaben vergleichen lassen und mehr  einem schlichten Draufschlagen ähneln.. . Andererseits sieht   man auch Mensuren im Wechseltempo mit    mittiger  Stulpberührung der Klinge bei stark verkürztem Abstand , die ein sehr geringes  Trefferisiko für die Paukanten mit sich bringen.

Grundsätzlich müssen wir erkennen, dass das ‘Schwippen’ bei den Grundhieben Terz, Prim, hohe Quart gegenwärtig nicht hinreichend vermittelt wird , es vielleicht sogar nicht mehr als Vorgabe angesehen wird,

Hier gäbe es für den das Fechten Unterrichtenden viele Möglichkeiten  einer korrigierenden Einflussnahme .

Die sich anschließenden Ausführungen basieren auf der dem Autor vermittelte Fechtschulung sowie der Auseinandersetzung mit dem damals im Berliner SC gegebenen fechterischen Niveau. Es fließen auch viele Erfahrungen ein, die er in Phase einer 5-jährigen Fechtlehrtätigkeit für seine Corpsbrüder hat sammeln können. Die zeichnerischen Darstellungen zeigen wichtige Schlagpositionen und –abläufe auf, die Einzelfotos, Bildfolgen und einigen Videos entnommen sind.

Zielsetzung der Arbeit

Mit dieser kleinen Schrift soll künftigen Corpsangehörigen – unserem Nachwuchs- eine Orientierungshilfe im Bemühen um eine vorzeigbare Technik gegeben werden, ihnen ein Rüstzeug vermittelt werden, ihre Partien möglichst sicher und mit guter „Moral“ stehen zu können, und damit den Ansprüchen und Zielsetzungen zu genügen, die wir als Schlagende Verbindung vertreten.

Es sollte m.E. möglich sein, künftig eine Fechtunterrichtung anzubieten, bei der eine bestimmte stilistische Linie stärker hervortritt, die als kennzeichnend für das Fechten mit dem Glockenschläger angesehen werden kann.

Den Äußerungen von älteren Corpsbrüdern zur  erlebten fechterischen Praxis ist immer wieder zu entnehmen, dass wir – jenseits von einem sportlichen Anspruch – bei den Mensuren Wert darauflegen, eine zufriedenstellende Technik angeboten zu bekommen. Dazu passen nicht ein ungeordnetes kraftvolles ‚Bolzen‘ sowie auch nicht Hiebe und Schlagfolgen, die traditionelle Vorgaben weitgehend vermissen lassen. Die mit einem Glockenschläger bestrittene Mensur kann leicht und elegant aussehen, aber dennoch druckvoll und dann – selbst bei höherem Hiebtempo – kontrolliert ausgetragen werden und damit eine Qualität zeigen, die sich nicht ganz einfach realisieren lässt, aber – für den einen oder anderen – ein Zielrichtung vorzugeben vermag, der es nachzueifern gilt.

Kleiner Blick in die Geschichte des studentischen Fechtens

Die Geschichte der ‚Schlagenden Verbindung‘ ist vom Zeitpunkt ihrer Gründung bis zum Beginn des 1. Weltkrieg in vielen Veröffentlichungen dokumentiert. Diese enthalten neben der eingehenden schriftlichen Darstellung auch aufschlussreiches Bildmaterial in Form von Zeichnungen und schließlich auch eine Reihe von Fotos.  Aufgrund des damals viel weiteren Abstandes der Fechtenden unterschied sich die Hiebtechnik in mancher Hinsicht von der heutigen. Auch waren Meidbewegungen des Oberkörpers aus einer jedoch schon festen Standposition möglich. Diverse Schlagfinten wurden durch das Regelwerk gestattet..   Dies wurde vor allem in den lange Jahre ausgeübten Fechtkämpfen mit Duellcharakter hinreichend praktiziert.

Nach dem Verbot solcher Duelle einigte man sich für das ‚Studentische Fechten‘ auf eine Bestimmungsmensur, die von einer deutlich veränderten Zielsetzung getragen wurde und bis heute Bestand hat. Die Jahre nach dem 1. Weltkrieg bis zum Verbot der ‚Schlagenden Verbindung‘ um 1935/36 geben uns leider nur wenig Auskunft über die fechterischen Gepflogenheiten jener Zeit.

Wir sollten aber davon ausgehen, dass die ‘Akademische Fechtschule’ der Brüder Seemann-Kahne noch einen gewissen Einfluss auf das damalige Fechtgeschehen nehmen konnte.

Es erweist sich als äußerst schwierig, Auskünfte über die Fechttechnik und die speziellen Regeln für die Mensur jener Tage zu erhalten. Wo findet sich eine darüber Ausschluss gebende Veröffentlichung?

Und Zeitzeugen können leider seit einer Reihe von Jahren nicht mehr befragt werden. Selbst die Generation des Wiederbeginns ab 1953, die ja von älteren Corpsbrüdern oder – so vorhanden – Fechtlehrern geschult werden musste, tut sich schwer damit, hinreichende Erklärungen über den Ablauf und Regeln ihrer Fechtausbildung insgesamt zu geben. Ihr wurde die frontale ‚gebundene Aufstellung‘, die von Schurz zu Schurz  eine Sekundantenspeerlänge (ca. 100 cm) betrug, vorgegeben. Die freie Bewegung des Oberkörpers war nicht mehr gestattet, aber es boten sich technische Varianten durch Doppelhiebe oder besondere Schlagkombinationen an. Man verstand auch durch ‚Tempoverschiebungen‘ in sich aufzeigende Deckungslücken des GP hineinzugelangen.

In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass von vielen Bandträgern deutlich mehr als die geforderte Anzahl von Mensuren geschlagen wurden. Es war auch prinzipiell eine höhere Zahl von Treffern/Blutigen zu registrieren, als es heute der Fall ist. Hier bleibt zum Nachdenken viel Raum.

Der Autor erlebte durch die ihm vorausgehende Fechtgeneration des Berliner SC  ein durchweg variantentenreiches, engagiertes Fechten. Er erhielt so viele Anregungen für seine eigene fechterische Entwicklung, die er dann auch  bemüht war, an seine Corpsbrüder weiterzugeben.

Zudem darf man wirklich dankbar sein, dass schließlich durch den VAC die Veröffentlichung einer ‚Fechtschule für den Korbschläger‘ im Jahre 1961 ermöglicht wurde. Die Ausführungen Albin Angerers konnten in der damaligen Zeit Aktiven ein gutes Rüstzeug zum Erlernen der Schlagtechnik – hier für den Korbschläger geben. Sie boten damit aber  auch eine hilfreiche Orientierung für das Erlernen des Glockefechtens an, wobei, aufgrund der Unterschiedlichkeiten der Waffen, natürlich gewisse Abweichungen in der Handhabung (s. Rollterz) zu berücksichtigen sind.

Übrigens muss der Autor einräumen, dass es ihm noch nicht gelungen ist zu ermitteln, auf welches Datum die Entscheidung, in den ost-elbischen Universitätsstädten anstelle des Korbschlägers den Glockenschläger zu benutzen, zurückgeführt werden kann und wer hierfür verantwortlich war.

Es ist erfreulich, dass heute Kenntnisse über das studentische Verbindungswesen und im Besonderen die Mensur weitgehend objektiv auch medial (Internet) vermittelt werden, was die frühere deutlich zu spürende Tabuisierung relativiert.

In Reportagen kommen auch Angehörige von schlagenden Verbindungen zu Wort, ihr Leben auf den Verbindungshäusern wird beschrieben, kurz: Abschnitte vom Pauken und sogar von der ’scharfen Mensur‘ sind in Videosequenzen zu verfolgen. Bei letzterem allerdings stark verkürzt und meist wenig realitätsnah.

Hier steht wieder der Korbschläger im Vordergrund, was sich natürlich durch seinen viel weiter verbreiteten Gebrauch verstehen lässt. Bei den wenigen Beispielen ist zu erkennen, dass nicht von allgemeingültigen Standards im Vergleich der Universitätsstädte gesprochen werden kann.

Grundlegendes zum Fechtgeschehen

Die Fechtausbildung ist heute viel weniger intensiv als es viele Jahre lang in der 2. Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert üblich war. Die vom Aktiven geschlagene Zahl der Partien  lag damals aber auch erheblich höher als heute.

Damals war technisch sehr viel möglich, weil es eine ‚bewegliche Standhaltung‘ gab, bei der aus einer allerdings fixierten Schrittstellung geschlagen wurde. Für Fechtkunst stand damals „das elegante Parieren, das Abwarten, das Schlagen zweckbedingter Finten, das plötzliche Hineinschlagen in die durch die Finte entstandene Blöße“.

Für die Gegenwart liest sich das so: „Jetzt sieht man notgedrungen (!) das Ideal in einem breit (parallele schulterbreite Fußstellung) und möglichst unbeweglich stehenden Paukanten und in der ‚reaktionslosen Hinnahme der Hiebe‘. … und weiter: „Die reine Fechttechnik bleibt in ihrer Entwicklung beschränkt“. (Bauer/Schorr in: Das Erscheinungsbild unserer Mensuren seit 1800 im Wandel der Zeiten, in: ‚Einst und Jetzt, 7. Band, 1962, S. 80 ff.

Viele Darstellungen zur früheren Fechttechnik beim ’studentischen Fechten‘ incl. Regelwerk liegen in größerer Zahl vor (s. dazu auch G.Geilke: Die kleine studentische Fechtfibel, 2006).

Leider steht hier allerdings weitgehend der historische Aspekt im Vordergrund, und der Blick wird auch im Wesentlichen auf den Korbschläger gerichtet.

Aus damaliger Zeit gibt es aber nur eher beiläufig Ausführungen zur Fechttechnik mit dem Glockenschläger, sie haben in Wort und Bild nicht einen mit dem Korbschläger vergleichbaren Stellenwert.

Für den, der Aussagen zur Entwicklung der früheren und in den letzten Jahrzehnten praktizierten Fechttechnik (Glocke) sucht, stellt sich als ein schwieriges, ja fast hoffnungsloses Unterfangen dar.. Da wird etwas aus ihrem Beginn von Generation zu Generation mit sich veränderten Inhalten und Gewichtungen weitergegeben und immer wieder neu als maßgebend angesehen. Die weitere Darstellung wird aufzeigen, dass dies nicht zu einer für das Fechten mit dem Glockenschläger förderlichen Entwicklung geführt hat.

Dabei sollte man davon ausgehen können, dass wir schlagende Verbindungen weiter das Fechten als Teil unseres Selbstverständnisses hochhalten wollen. Es sei noch einmal erwähnt, dass wir in diesem Sinne das Fechten mit der blanken Waffe innerhalb eines ‚festgefügten‘ Regelwerks als ein charakterbildendes Mittel ansehen..

Man steht sich im ‚Zweikampf‘ mit der blanken Waffe gegenüber und muss sich , der Möglichkeit des Getroffenwerdens stets ins Auge sehend, im Wechsel von Hieb und Schutzhaltung bewähren.

Man steht auch für den Bund, seine Farben, die Gemeinschaft der Corpsangehörigen und sollte eigentlich den Anspruch haben auf eine möglichst optimale, den Vorgaben entsprechende Ausbildung, die freilich ‚Eventualitäten‘ im Waffengang nicht auszuschließen vermag.

Aber es ist aus meiner Sicht mit gewissem Bedauern festzustellen, dass die gegenwärtig bei der Mensur gezeigten Fechtleistungen überwiegend nicht überzeugen können! Leider gibt es zurzeit keine neuere Veröffentlichung zur Unterrichtung im studentischen Glockefechten, Über das Angebot dieser Abhandlung hinaus erscheint es dem Autor wichtig, zukünftig in regelmäßigen Zeitabständen Seminare auszurichten, die den jeweils für die Fechtausbildung zuständigen Consenioren zusätzliche Hilfen anbieten und die dem Glockefechten den ihm gebührenden Stellenwert einräumen,.  So sollten möglichst viele multiplikatorische Effekte in die Verbindungen eingebracht werden können.

Mir als Betrachter drängt sich ein z.Z. eher unbefriedigendes Bild vom heute in Berlin gezeigten Glockefechtens auf, und ich wage zu vermuten, dass die Entwicklung in anderen Städten und Verbänden nicht wesentlich anders aussehen wird. Dabei erinnere ich mich gern als ein ‚älteres Semester‘ an eine Zeit, in der sich das Glockefechten auf einem höheren technischen Niveau befand. So frage ich mich unter anderem, wie es dazu kommen konnte, dass der geschwippte Hieb heute nicht als ‚Basis‘ dient. .Unverständlich auch wie -entgegen einer gültigen Vorschrift des Berliner Paukcommens- etwa ab Mitte der 90-er Jahre es zu einer deutlichen Abstandsverkürzung bei der Mensur mit Folgen für die Fechttechnik kommen konnte. Es wurde nicht mehr Schurz zu Schurz, sondern Schultermitte zu Schultermitte gestellt, was eine Verkürzung von mindestens 20 cm bedeutete.. . Anfang 2003 wurde man sich schließlich dieser Distanzabweichung bewusst(?) und entschied dann – das Nachfragen führte zu keiner anderen Erkenntnis- ohne inhaltliche, fechtrelevante Diskussion, diese Verkürzung, einem ‚Gewohnheitsrecht folgend , beizubehalten.

So gibt es AHAH, die schon mal sagen, dass sie , das nachlassende technische Niveau bedauernd zur Kenntnis nehmend, lediglich aus Solidarität zum eigenen Bund zum Bestimmtag gehen, sie nachdenklich werden, wenn sie das Gesehene mit dem aus früherer Zeit Bekanntem vergleichen.

Unser Glockenschläger kennt, begründet durch seine vom Korbschläger abweichende Griffstruktur , zwangsläufig Abweichungen in der Hiebführung.        Für den Korbschläger sind die Schlaufe für den Zeigefinger und der längere , oben abgeflachte Griff charakteristisch.. Der Daumen wird hier nicht, wie bei der Glocke, seitlich angelegt, sondern gibt ,von oben angesetzt, mittig Druck gegen den Griff. Schwunghiebe, gewedelte und gerollte Hiebe sind hier eher typisch, und die Mensurlage, auch wegen des etwas größeren Abstandes der Fechtenden, ist vergleichsweise tief.. Dennoch soll darauf hingewiesen werden, und das ist bei mehreren der angeführten Autoren nachzulesen, dass der geschwippte, hochgestellte Hieb auch mit dem Korbschläger möglich ist und auch schon früher nachdrücklich geschult wurde.

Die gegenwärtige Mensurpraxis lässt leider erkennen, dass man sich des ‘offeneren’ Griffs nicht genug bedient. Wo eigentlich leichte, elegante Klingenführung möglich sein sollte und kann, dominieren dagegen auch hier die gewedelten Hiebe. Sie werden oft mit großer Wucht zwar schnell ,aber auch weitgehend unkontrolliert gesetzt und genügen damit keinem technischen Anspruch. Variantenreiches Fechten ist da weitgehend ausgeschlossen. Schwunghiebe gehören natürlich auch zum Glockefechten, aber sie sollten nicht als wesentliches Element  bestimmend für eine Mensur sein..

Bei sauberer Hiebführung lässt die beim Glockengefäß gegebene Griffstruktur zu, die Hiebe bei hoher Klingenführung möglichst leicht zu setzen, was dazu führt, dass man sie dann relativ flach und damit auf kurzem Wege in die ‘Verhängte’ zurückholen kann. Dies passte dann auch  in das Gesamtbild eines ‘eleganten’ Bewegungsablaufes.

Grundsätzlich sollte der Arm dabei in der Hiebvorbereitung aus dem Vorsetzen heraus  eine Vor-Hoch-Bewegung machen, was diese Aktion offener aussehen lässt, als das beim gewedelten Hieb der Fall ist.

“ Da ,wo die Hand am höchsten ist, ist die Klingenspitze am tiefsten.” 

S. Angerer

Wer denkt da nicht spontan an den Fechtspruch des Fechtchargierten bei der Akzeption: ‘Ich trinke auf einen steilen Fechter!’

Beim hier angesprochenen ‚Schwippen‘ öffnet sich die Hand, wobei dann nur noch 3 Finger den Griff wirklich halten. Die Klinge kann so nach vorn unten ‚entlassen‘ werden. Bei starker Dehnung im Handgelenk geben Zeigefinger und Daumen jetzt vorübergehend die Griffbindung auf und liegen mit nur mäßigem Druck an und ‚zeigen‘ in Schlagrichtung. Die Klingenspitze schnellt – im Ansatz einer nach vorn schnellenden Peitschenschnur vergleichbar- nach vorn unten und kann so mit ihrer halben oder sogar ganzen Schwäche beim (sich schützenden) GP auftreffen. Der ‘Arbeitsanteil’ des Armes für den Hieb endet also praktisch mit dem ‚Stellen‘ der Glocke.  Das ‘leichte’ aber stark beschleunigte nach Vorn-unten-schnellen der Klingenspitze findet präzise das anvisierte Trefferfeld und kann, so keine ausreichende Deckung besteht, äußerst wirkungsvoll sein. Es muss n i c h t ‚geprügelt‘ werden! Und e n t s c h e i d e n d wichtig – die Klinge kann bei einem nicht zu wuchtig ausgeführten Schlag leichter wieder über eine schnelle Linksdrehung in die Position der verhängten Auslage gebracht werden.

Nota bene! Der Bügel der Glocke hat beim gesamten Hieb, wie auch in der Abdrehhaltung, vom Paukanten weg zum GP hin zu zeigen. Geschwippt werden können die Hochquart, die Prim und die Terz. Außen-/Horizontalquarte und  Horizontalterz sind eher Bestandteile von Doppelhieben, die dann geschwungen sind. Alle geschwippten Hiebe setzen ein auf Dehnung geschultes bewegliches Handgelenk voraus. Dies zu entwickeln muss bei der Fechtausbildung in besonderem Maße angestrebt werden.

Schlagkombinationen(Doppelhiebe, Mehrfachhiebe)

Aktuell wird des Öfteren die überstürzte Quart als Nachhieb – ohne vorheriges Abdrehen- eingesetzt. Sie kann schon deshalb wirkungsvoll sein, weil sie den üblichen Schlagrhythmus unterbricht, ist aber eigentlich nur dann ‚effektiv‘, wenn der GP früh die Abdrehhaltung verlassen hat. Wenn sie zu rasch gesetzt wird, bleibt sie allerdings meistens schlagtechnisch nicht zielführend, oder kann in eine A-Tempo-Folge münden. Über eine Außenquart lässt sich ein Zieher vorbereiten, wobei die besondere Schwierigkeit dann darin liegt, die Hand vorgesetzt hochzuführen und die Klingenspitze trotzdem tief vor dem Körper des GP vorbei aufwärts streichen zu lassen. Auch hier ist ein besonders bewegliches Handgelenk erste Voraussetzung. Als Schlagkombination böte sich hier an, unmittelbar nach der zweiten Quart eine Außenquart zu setzen, auf die ein Zieher folgt, aus dessen Schwung heraus sich trefflich eine Hacke/Prim (Hakenquart) anschließen ließe. Damit wäre der 6. Hieb schon fast angezogen, und der Sekundant könnte unterbrechen.

Es ist auffällig, dass kaum noch technisch saubere Terzen als Einzelhieb geschlagen werden. Sie wäre freilich auch nur effektvoll, wenn die eigene Speerspitze hoch über den Stulp des GP geführt werden könnte. Aber – k e i n S c h w i p p e n – keine saubere Terz.

Wenn hier von Schlagkombinationen gesprochen wird, so sei – wie eigentlich bekannt – darauf verwiesen, dass bei ihrer Schlagführung die Klingenspitze immer in Bewegung zu sein hat- Lauern ist ausdrücklich verboten! So ist also eine aus einem Lufthieb heraus geschlagene druckvolle Quart zulässig, wenngleich hierauf aber bei der ’normalen‘ Bestimmungsmensur gut verzichtet werden kann. Bei PPs und persönlichen Kontrahagen könnte sie aber durchaus eingesetzt werden.

Effektvoll und auf jeden Fall unerwartet für den GP kann es auch sein, wenn die Entgegnung auf den Anhieb des GP eine absichtlich vorbeigeschlagene Quart ist, worauf dann in einem Zuge sogleich eine hohe Terz folgen könnte. Hier ließe sich auch noch als Kombination eine Außenquart anschließen.

Aber Vorsicht, denn eine Außenquart ist schwerer wieder ‚einzufangen‘ als die normale Hochquart. ‚Einfangen‘ heißt, den Bogen=den Zeitraum zwischen Schlag und wieder eingenommener verhängter Auslage möglichst klein und niedrig zu halten.

Dabei ist wieder daran zu denken, dass ein weniger wuchtiges Ausschlagen das Zurückführen des Glockenschlägers in die ‚Verhängte‘ wesentlich erleichtert.

Kritische Notizen zur Ist-Situation in Berlin

Die folgende Darstellung ist zunächst Abbild eines persönlichen Eindrucks seitens des Verfassers und damit  also subjektiv geprägt.

Vieles davon lässt sich aber auch aus auf dem Paukboden entstandenen Videoaufnahmen ablesen. Die hier festgestellten technischen Schwächen legen dringend den Wunsch nahe, sie im Rahmen des Fechtunterrichts zu bedenken und zu korrigieren.

Nachteile der seitlichen steilen Auslage: Der Paukant hält den Bügel nach rechts weggedreht. Dies ist zwar eine von 3 möglichen steilen Auslagen (s. Akademische Fechtschule); sie birgt aber Nachteile.

Für den Anhieb auf Quart heißt das, dass der Schlagarm erst zur Mitte bei leichtem Vorsetzen geführt werden muss und nicht, beschleunigt mit einem kurzen Anreißen, zentral angezogen werden kann.

Für das ‚Absetzen‘ in die verhängte Auslage gilt dann, dass es tendenziell – unter Vernachlässigung einer Linksdrehung des Bügels, zu einem Kippen kommt, das den Einstieg in ein Wedeln darstellt. Hat der Paukant einmal diese Haltung eingenommen, lässt sich das gewünschte Schwippen kaum noch realisieren, geschweige denn ein sauberes Abdrehen zeigen.

Die Hiebfolge: Wird so begonnen, kann oft festgestellt werden, dass der Schlagarm zu wenig vorgesetzt wird. Er wird nicht relativ körpernah nach links-oben am Gegenpaukanten vorbei angehoben. Unzureichende Höhe der Schlaghand verkürzt in der Folge die Schlagdistanz. Es können keine Hiebe bei gebotenem Abstand mehr ausgeführt werden. Dies wird dann oftmals durch ein Nach-vorn-schieben der Schlaghand noch weiter verstärkt. Es sei daran erinnert, dass es in letzter Zeit zu viele Partien gegeben hat, bei denen der Grundhieb nicht mehr die hochgesetzte Quart ist, sondern eine mit der Mitte der Klinge auf den Stulp des GP geschlagene Prim.

Die Mensur: Bei dem aus Sicht des Verfassers zu kurzem Abstand zwischen den Paukanten, in Berlin wird die ‚Mensur‘ von Schultermitte zu Schultermitte mit dem Sekundantenspeer gemessen, kann es darüber hinaus noch zu weiteren Verkürzungen kommen, da es keine echten ‚Haltepunkte‘ gibt. Eindeutiger wäre es, wenn wieder von Schlüsselbein zu Schlüsselbein (oder Brustbein zu Brustbein – früher benannt als – Schurz zu Schurz) gestellt würde.Dies würde den Abstand um die schon genannten 15-20 cm  leicht vergrößern, was aber möglicher Weise zur Zeit nicht gewünscht ist. Eine solche Maßnahme sollte man einmal inhaltlich diskutieren.

Aus den beiden zuletzt genannten Punkten ergibt sich, dass ein zu geringer Abstand der Paukanten verbunden mit einem zu tief und zu weit nach vorn angesetzten Hieb dem gewünschten technischen Ablauf einer Mensur –  mit dem Ziel des Auftreffen des Standardhiebes mit ganzer (oder wenigstens) halber Schwäche im Trefferfeld – im Wege steht.

Das Abdrehen: Die zu beobachtende Abdrehbewegung ist folglich fast durchweg unbefriedigend.  Sie wird zu hoch geführt und ist dann erst unmittelbar vor oder sogar mit dem Erreichen der verhängten Auslage abgeschlossen. Der Bügel zeigt dann zur Decke, die Klinge befindet sich mit Breitseite in einer schwachen ‚Auffangposition‘ für den erwarteten gegnerischen Hieb.

Spätes Drehen im Wedeln, das quasi erst knapp vor der Schulter des Paukanten abgeschlossen ist, birgt auch die Gefahr, dass die Klinge im Schwung nach vorn durchpendelt (Spicker?), bevor sie die eigentliche Position der verhängten Auslage flüchtig erreicht.

Doppelhiebe/Hiebkombinationen: Bei solchen Versuchen dominiert die überstürzte Quart als Nachhieb, meist Außenquart ohne vorheriges Abdrehen. Sie kann zu einem Treffer führen, wenn es gelingt in die Phase des Öffnens nach Schlag des GP zu ’stoßen‘. Allerdings ist dann auch der Weg der Klingenrückführung verlängert.

Selbst bei tiefen Partien ist festzustellen, dass der Durchzieher nach Außenquart fast nicht zu sehen ist. Und die rar gewordene Terz wird auch in Kombination kaum noch realisiert. Hallenser Terz und Bonner Schleife sind eher Reminiszenzen.

Ein Blick zurück- Die Zeit nach der Rekonstitution

Es soll ausdrücklich gesagt werden, dass in den von mir als Aktiven erlebten 60-er Jahren durchaus nicht immer exzellent gefochten wurde. Es gab hier und da auch Technikdefizite. Wir konnten uns schließlich im Wesentlichen nur das aneignen, was die vorausgehende Aktivengeneration zu vermitteln wusste. Aber hier war der ‚geschwippte‘ Hieb eine wichtige Vorgabe, um die wir uns zu bemühen hatten. Charakteristisch auch die durchschnittlich weit höhere Zahl der Partien, obwohl damals nur 3 Burschenpartien auf das Band geschlagen werden mussten.

Man überschreitet nicht selten die Zahl 10, focht insgesamt offener, variantenreicher, was im Vergleich zu heute sicher auch zu einer größeren Zahl von Blutigen führte. Die Abfuhr wurde folglich häufiger erklärt. Aus der Erinnerung bleibt dem Autor der Eindruck, dass früher zudem etwas strenger hinsichtlich der gezeigten Technik bewertet wurde. Wir erlebten keine Partien, in denen der Quartschlag fast ausschließlich auf Prim landete und damit auf dem Stulp. Trotz hohen Schlagtempos war es vielen Paukanten möglich zum Hieb vorzusetzen und nach diesem zügig vor dem Körper abzudrehen, was unmittelbar auf das Ausschlagen folgte und nicht wie heute in aller Regel verspätet oder sogar bei hochstehenden Bügel und damit dann eher von hinten nach vorn geführt, um wieder in die verhängte Auslage zu kommen.

Bleibt die Frage, was eine größere Zahl von Aktiven damals bewegt hat weit mehr Partien zu schlagen, als vorgeschrieben war. Die angesprochene Zeit liegt nun schon recht weit zurück, so dass es kaum möglich war, hierfür aufschlussreiche Auskünfte zu erhalten. So lassen sich diesbezüglich nur einige mögliche Ansätze mit unterschiedlicher Gewichtung vermuten:

  1. Es hob die Reputation des Corps.
  2. Es mussten Partien abgedeckt werden.
  3. Es war eine PP auszutragen, für die man gern erfahrene Fechter einsetzte.
  4. Es gab weniger Hemmungen, das Verletzungsrisiko anzunehmen
  5. Es wurde als ‚innere Reinigung‘ empfunden, erneut ‚bestanden‘ zu haben.
  6. Es war Ziel ein variantenreiches Fechten zu zeigen, mit dem man sich persönlich bestätigen konnte.
  7. Es war dem Aktiven wichtig für sein fechterisches Engagement Anerkennung zu erhalten.
  8. Es wird auch ein sportlicher Aspekt im Fechten gesehen.

Nachdenkliches zum Berliner Paukcomment (KSCV)

Die Fechttechnik

Eine erste fechtbezogene Aussage findet sich im § Allgemeine Bestimmungen:

Incommentmäßig ist der Blutige   4. der von einer Terz oder einem Spicker als Anhieb oder von einem Spicker auf einer Mensur rechts gegen rechts oder links gegen links sitzt.

Zu 2. Paukanten lesen wir im § 121  Spicker, Terzen:

Spicker zu schlagen ist nur bei einer Mensur rechts gegen links statthaft. Terz oder Spicker anzuschlagen oder mehrere Terzen hintereinander zu schlagen ist verboten.

Zu vermissen ist die Angabe, dass in den sog. Fuchsenpartien hoch und erst in den Partien auf das Band auch tief gefochten werden könne. Diese Begriffe ‘Hohe und tiefe Partien’ sind in anderen Paukcomments durchaus zu finden. Die weiteren Abschnitte geben dann unter Sekundanten, Testanten, Paukarzt und Unparteiischer die verbindlichen Regeln zu ihrer Funktion im Laufe der Partie vor. Der Paukcomment enthält also praktisch keine weiteren Ausführungen über die bei der Mensur zu erwartende Hiebtechnik. Solche Vorgaben sind jedoch in den Paukcomments der Verbindungen anderer Universitätsstädte in gewissem Umfang zu finden.

So ließe sich eigentlich den Worten eines Corpsbruders folgen, der einmal meinte, dass der Berliner Paukcomment wohl einer der ‘härtesten’ im KSCV sei, weil er fast alle Hiebe und Hiebfolgen gestatte.

Die Auslage

Erste Aufmerksamkeit finden die Angaben zur A u s l a g e. Hierzu liest man im § 118 „Die Paukanten liegen während des Kommandos aus. Dabei muss der Speer mit gestrecktem Arm nach oben zeigen“. Es fehlt allerdings ein Hinweis zur genauen Position des Schlägers nach dem Kommando: Auf die Mensur! Nach der ‚Akademischen Fechtschule“ gibt es 3 verschiedene Auslagen: !. hoch rechts neben dem Kopf (mit meist auch nach rechts zeigendem Bügel) 2. hohe vorgesetzte Auslage. Der Bügel steht auf Nasenhöhe und zeigt zum GP 3. terzseitig hoch angesetzt. Die in Berlin zu sehende Variante 1 macht es schwierig, ja fast unmöglich aus dieser Position ohne Schulterbewegung (heben und vorziehen) den Anhieb zu führen. Das Abdrehen aus dieser Grundposition verleitet zum Nach-links-Kippen des Schlägers als Initialbewegung zu sofortigem Wedeln während des Schlagabtauschs.

Der Mensurcomment spricht zwar nicht explizit vom Schulterzwang (s. Punkt 3), aber dieses Wort ‚geistert‘ immer durch die Reihen der Corpsbrüder und kann damit den anzustrebenden Technikaufbau hemmen. Es sei hier schon ausdrücklich angemerkt, dass erst in Verbindung mit dem Anheben und Vorsetzen aus der Schulter die Grundhiebe für das Glockefechten ausgeführt werden können. Insofern ist der Ausgangsposition 2 für die weitere Schlagfolge absoluter Vorrang einzuräumen.

Der Abstand

Zum Abstand der Paukanten (Mensur) entnehmen wir, dass er eine Sekundanten-Speerlänge (Klinge + Korb) zu betragen hat und zwar von der Mitte der Schulter bis zur (ebenfalls senkrecht gegenüberliegender Schulter (des GP).

Zunächst ist festzustellen, dass der Glockenschläger fast gleich lang ist. Er differiert lediglich um ca. 2 cm aufgrund der etwas größeren ‚Tiefe‘ des Korbes. Daraus ergibt sich – bei einer vorgeschriebenen Klingenlänge von 832 mm eine Mensur von knapp 1 m. Man vergleiche dies einmal mit den 1.40-1.50 m der 20er Jahre!

Leider ist nicht selten zu beobachten, dass Paukanten sich während der Mensur nach vorn neigen, was noch zu einer weiteren Verkürzung des vorgegebenen Abstandes führt. Eine zusätzliche Abstandsverkürzung ergibt sich dann , wenn der Schlagarm nicht ausreichend vorgesetzt und zu tief geführt wird. Ein zusätzliches Nach-vorn-Stoßen des Schlagarms führt schließlich dazu, dass der Speer nicht mehr regelgerecht auftreffen kann.

Nicht klar genug erscheinen die Formulierungen: ‚Die Schulter der Paukanten dürfen nicht n e n n e n s w e r t von der Fersenlinie abweichen‘.    „Eine Seitwärts- und Rückwärtsverlagerung ist nicht gestattet‘.

Grundsätzlich sollten aber Stand- und Haltungsfehler vom Unparteiischen auch, moniert werden können, wenn es hier zu einer erheblichen M e n s u r verkürzung kommt.

Mensurnahe Aspekte

Die Ausführungen in den folgenden 3 Gliederungspunkten beziehen sich nicht direkt auf den Wortlaut des Comments, haben aber einen unmittelbaren Bezug zum Ablauf der Mensur.

Annoncierung eines Brettes zwecks Höhen-/Größenausgleichs

Üblich ist in Berlin der Körperhöhenausgleich mit einem Brett, der aber – obwohl seit vielen Jahren praktiziert – nicht ausdrücklich im Comment erwähnt wird. Es gibt durchaus Einwände gegen diese Maßnahme (s. auch H.Huhle), vor allem dann wenn sie übertrieben wird.

Bei deutlicher Höhendifferenz hätte der kleinere Fechter den Vorteil im tiefen Bereich. Dies gilt auch für seine Deckung. Vorteile ‚hoch‘ gäbe es natürlich für den größeren Paukanten. Letzterer hätte übrigens bei Brettausgleich immer noch Vorteile ‚hoch‘, weil er im Vergleich zum GP die längeren Arme hat. Damit kann dann schon der vermeintliche ‚Vorteil‘ des kleineren Fechters aufgehoben sein.

Wiederholt konnte bei unseren Mensuren festgestellt werden, dass das Bemühen um „gleiche“ Körperhöhe übertrieben wurde. Es stellt sich wirklich die Frage, ob nicht eine Größendifferenz toleriert werden kann, wenn sie sich in zumutbaren Rahmen hält. Schon bei der Vereinbarung der Partien sollten neben der Einstufung nach Technik und Schnelligkeit auch dieser Gesichtspunkt beachtet werden.

Geilke hält übrigens in seiner Fechtfibel eine Differenz von 3 Zentimetern für akzeptabel.

Einbandagierung des Nicht-Schlagarms

Möglicherweise steht eine seit kurzem bei Partien gesehene Variante der Fixierung des Nicht-Schlagarms im Zusammenhang mit dem Bemühen um einen korrekten Stand.

Vielleicht ist diese Maßnahme aber auch von der Vorstellung geleitet, so eine bessere Schulterkontrolle zu haben? Dabei wurde dieser Arm unter der Schutzkleidung v o r dem Körper (Bauch) mit einbandagiert. Hierfür sollte es eigentlich eine schlüssige Begründung geben. Bisher bleibt zu vermuten, dass man dadurch verhindern will, dass der Paukant während der Mensur aus Schutzgründen den hinter dem Rücken (wie bisher) durch Griff fixierten Arm lösen könnte. Eine solche Reaktion konnte allerdings während der letzten Jahrzehnte noch nicht beobachtet werden.

Aus unserer Sicht sprechen bio-mechanische Argumente gegen die Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme. Im Sport wird eine Rechtsrotation durch eine kurze und dynamische körpernahe Linksführung des linken Arms eingeleitet. Dies ermöglicht eine schnelle Drehung.

Die zuvor beschriebene Variante dürfte unserer Meinung nach hingegen eher zu einer Standunsicherheit führen, sie stabilisiert nicht und schafft eher Unsicherheit für den Schlagabtausch.

Die Stabilisierung des gesamten Rückens durch den nach hinten gelegten mittels festen Griffs fixierten linken Arms hat sich dagegen seit langer Zeit als effektiv erwiesen. Da es jedoch hierzu bisher noch keine Stellungnahme und damit auch keine Vorschrift gibt, bleibt es natürlich vorab jedem Corps überlassen, weiterhin so zu verfahren.

Anmerkungen zum ‚Schulterzwang‘

Ein Schulterzwang als Haltungsgebot für das Fechten sollte dringend eindeutig definiert werden.

‚Schulterzwang‘ verstanden als Fixierung und Unverrückbarkeit der Schlagschulter – ihres Gelenks – während der Hiebausführung macht eine Mensur unmöglich, lässt die geforderten Technikelemente nicht realisieren.

Dass aber eine nicht verdrehte Schulterachse trotz zur Schlagausführung verschobenen Schultergelenks möglich ist, lässt sich leicht beweisen. Dazu stelle sich der Paukant zur Schlagübung fest mit dem Rücken gegen eine Wand, wobei sich das ‚Phantom‘ im üblichen Abstand befindet. Es zeigt sich dann, dass der Rücken  als Ganzes den Wandkontakt während der Hiebfolge halten kann und das bei f r e i e r Beweglichkeit des Schultergelenks. Die Kontrolle für einen ‚feststehenden‘ Rücken wird bei der Mensur durch den auf dem Rücken geführten linken Arm (mit Gurtfassung) gewährleistet. Der linke Unterarm stabilisiert und verhindert so ein Verdrehen der gesamten Schulter nach links. Ohne das vorübergehende Sich-lösen des rechten Schultergelenks aus dem Wandkontakt könnten technisch einwandfreie, zielführende Hiebe nicht ausgeführt werden: Eine hohe Quart müsste z. Bsp., da es kein Vorsetzen gäbe, unweigerlich den Gegenpaukanten verfehlen!

Fechttechnik mit dem Glockenschläger

Leitsätze

  1. Bei gekippten und gewedelten Hieben, denen auch noch eine ausreichende Höhe fehlt, verdeckt der Stulp komplett die Sicht.
  1. Mit dem Herausheben und ‚Stellen‘ der Glocke (ca. 10-15 cm) nach Vorsetzen wird die Schwippbewegung eingeleitet.
  1. In der Ausschlaghaltung zur hohen Quart sollte es dem Paukanten möglich sein, mit dem rechten Auge am Stulp vorbeizusehen.
  1. In der Ausschlagposition steht die Glocke bei den Grundhieben immer höhere als in der Abdrehhaltung.
  1. Nach dem Ausschlagen greifen die Handdrehung nach links zur verhängten Auslage und die Ellbogenrückführung unmittelbar ineinander.
  1. Die Initialbewegung für das Schwippen (Herunterschnellen der Speerspitze) ist ein hohes ‚Stellen‘ des Schlagarms.
  1. Aus dem Blocken der Aufwärtsbewegung löst sich die Klingenspitze ‚peitschenartig‘ zu dem Auftreffpunkt auf Quart/Prim/Terz.
  1. Die Klinge sollte wenigstens mit der halben – besser aber mit der ganzen Schwäche beim Gegenpaukanten (GP) auftreffen können.
  1. Wird der Arm nicht ausreichend gehoben oder sogar in der Hiebbewegung nach vorn gestoßen, setzt die Klinge bestenfalls mit ihrer halben Schwäche, meistens aber mit ihrer halben Stärke auf, d.h. die ganze Schwäche ragt weit über ihr angedachte Auftreff-Fläche hinaus.
  1. In der Folge könnte es zu Verletzungen durch den ungeschliffenen Teil der Schneide kommen. Nicht auszuschließen sind sogar Platzwunden durch Glockenberührung.
  1. In der Ausgangsposition ‚Auf die Mensur!‘ zeigt der Bügel zum GP, der Unterarm steht dabei mittig vor dem Gesicht des Paukanten. Damit wird der Weg des Abdrehens verkürzt, der Anhieb ist nach kurzem ‚Anreißen‘ druckvoller und zielgenauer zu schlagen als bei einer seitlichen Ausgangshaltung mit nach rechts wegzeigendem Bügel.
  1. Diese zuletzt genannte Ausgangshaltung begünstigt nachfolgendes Wedeln unter Vernachlässigung des Abdrehens.
  1. Um die richtige Ausschlagposition für die Grundhiebe zu erreichen, ist es unerlässlich, die rechte Schulter vorzuziehen und dann leicht nach links oben herauszuheben. Dies ist auch Teil eines effektiven Vorsetzens.

Dass dies o h n e Verdrehen des Oberkörpers geschehen kann, lässt sich durch Hiebe aus dem Stand mit Wandanlehnung nachweisen.

  1. Der ‚Schulterzwang‘ ist so nicht aufgehoben, da die Schulterachse insgesamt feststeht. Nach wie vor gilt hier bei der Mensur oder dem Kontrapauken der auf dem Rücken fixierte linke Arm als stabilisierend.
  1. Der Klingenweg soll bei der Rückkehr zur verhängten Auslage möglichst kurz und flach sein. Das Aus-dem-Schlag-gehen lässt sich als ‚Zurückzucken‘ mit ‚blitzschneller Drehung‘ beschreiben.
  1. Zu hohe Zurückführung aus dem Schlag führt zur Deckungslücke.
  1. Das schnelle Wedeln mit verspäteter Dreh-Kippbewegung kann die Klinge zum Spicker durchschwingen lassen!!
  1. Bügel und Klingenschneide sollen im Verlauf der Mensur grundsätzlich in Richtung des GP zeigen.
  1. Wenn die Klinge in der Abdrehhaltung mit ihrer Breitseite zum GP zeigt, lässt sich dessen folgendem Schlag nicht genug Kraft/Haltestabilität entgegensetzen.

Unsere Basis. Die Fechtschulen der Brüder Seemann –Kahne und des L.C.Roux

Als grundlegende Veröffentlichung zur Unterrichtung des studentischen Fechtens mit dem Korb- und Glockenschläger/-rapier sind die ‚Hiebfechtkunst‘ von L.C.Roux aus dem Jahre 1885, sowie die ‚Akademische Fechtschule‘ der Brüder Seemann-Kahne, die 1925 vom Verein Deutscher Fechtmeister herausgegeben worden ist und heute in unveränderter Neuauflage vorliegt, anzusehen.

Obwohl sie zu anderer Zeit und unter anderen Bedingungen geschrieben worden sind, können sie in wesentlichen Teilen auch heute noch als vorbildgebend angesehen werden.

Ein gravierender Unterschied bestand hinsichtlich des Abstandes zwischen den Fechtenden, einer unterschiedlichen Aufstellung und der Gewährung eines Bewegungsspielraums für den Körper beim Hiebaustausch. Noch im 19. Jahrhundert wurde in weite, mittlere und enge Aufstellung unterschieden.

Der heute auf ca. 1 m reduzierte enge Abstand der Fechtenden bei frontaler Aufstellung, bei der die Parallelität von Schulter- und Fußlinie vorgeschrieben ist, reduziert das Fechten auf relativ eingegrenzte Wege des Schlagarms. Manche sagen, dass die Mensur damit ‚unbeweglich‘ geworden ist.

Früher war das Vor- und Zürückneigen des Oberkörpers möglich, aber auch nötig, um die Distanz von ca. 150 m zu überwinden (vgl. L.C.Roux).

Ein Verdrehen des Rumpfes wurde damals eher als eine Einschränkung oder sogar Verlust der Standfestigkeit angesehen und deshalb abgelehnt.

Eine Parallelität von Fußlinie und Schulterachse war bei schräger Aufstellung durchaus möglich.

Was bleibt also, um bei dem heute praktizierten Abstand von ca. 1 m noch eine ‚reguläre‘ studentische Mensur durchzuführen zu können?

Die Technik früher angewandter Hiebe gilt weiter, muss aber aus hoher, körpernaher Hand geführt werden, um das Trefferfeld zu finden.

Entscheidend für das Gelingen und erforderlicher Schulungsschwerpunkt zur Erreichung einer technisch akzeptablen Mensur ist aber der ‚ g e s c h w i p p t e ‚ Grundhieb, mit dem es allein möglich ist, den GP mit ganzer oder halber Schwäche zu erreichen. Wird dieser nicht beherrscht, kann es zu Mensurverläufen kommen, bei denen die Klinge überwiegend lediglich nur mit dem ungeschliffenen Teil bei Prim auf den Stulp des GP auftrifft, d.h. die Trefferfelder von Terz bis Quart gar nicht erreicht werden.

Damit hätten dann – wenn der Arm in der Verhängten ausreichend hoch steht und schnell genug seine Position findet – im wesentlichen nur schwungvoll geschlagene Doppelhiebe die Chance in Deckungslücken ‚hineinstoßen‘. Hilfreich und motivierend waren für den Verfasser dieser Handreichung in seiner aktiven Zeit die Ausführungen des A.Angerer Moenaniae, Teutoniae Marburg in seiner ‚Anleitung zum Fechten mit dem Korbschläger‘, aus denen sich Wichtiges auf das Fechten mit dem Glockenschläger hatte übertragen lassen. Hier ist auch noch anerkennend der von H.Jeschke Normanniae Berlin hergestellte Bildteil zu erwähnen.

Aber es soll jetzt doch noch einmal auf wichtige Aussagen der anfangs genannten Autoren eingegangen werden.

Roux prägte also das Wort ’schwippen‘ und beschrieb es als ein ‚Nachgleitenlassen‘ bei leichter Öffnung von Zeigefinger und Daumen im Ausschlagen; die Klinge würde so dem Gegner ‚zugeworfen‘. Er betont, dass für ihn dieses ‚Schwippen‘ einen wichtigen Vorteil beim Hiebfechten brächte. Die Hiebe würden so schwungvoll werden:

§ 20 „Sollen sich unsere Hiebe schwungvoll und trefffähig gestalten, wie ihn die Hand in der Auslage umschließt, sondern daß wir denselben in dem Augenblick, in welchem wir unseren Hieb austeilen, in der Hand etwas nachgleiten lassen. Dabei müssen die 3 letzten Finger, welche den Griff umschließen, noch Fühlung mit demselben behalten. Durch dieses ‚Nachgleitenlassen‘, welches wir ‚Schwippen‘ nennen, bekommen unsere Hiebe einen derartigen Schwung, daß unsere Klinge im Bogen über die Parade des Gegners geschleudert wird, was eben die Trefffähigkeit bedingt“.

In der dem Leser vorliegenden Abhandlung wird zur Benennung dieser Bewegung ihr peitschenartiger Charakter gesehen und damit der Vorzug gegeben.

Schnell und schwungvoll wird der Hieb nämlich erst dadurch, dass der Schlagarm mit seinem hohen ‚Gestellt-werden‘ blockiert und dadurch die in Bewegung gesetzte Klinge rasant beschleunigt wird – und das ähnlich wie die Schnur beim Peitschenhieb! ‚Nachgleiten lassen‘ ist aus unserer Sicht nur ein notwendiger Teilaspekt des ‚Schwippens‘, denn erst durch das ‚Entlassen der Klinge‘ aus hochgestellter, blockierter Hand kann sich die Dynamik des Hiebes entfalten!!

Die Bedeutung des ‘Schwippens’ für das Fechten- heute

§ 6 „In die enge Mensur gelangt man, indem man sich noch mehr dem Gegner nähert, so daß nur eine Rapierlänge die Fechtenden trennt“. (Abb. 113)

Da wir aber heute dafür eine Sekundantenspeerlänge (Klinge + Korb) messen (ca. 1.00 m) und anders anlegen, ist der bei Seemann-Kahne gezeigte ‚enge‘ Abstand tatsächlich weitaus größer als eine Rapierlänge!!

Es wird großzügig von Bauch zu Bauch gemessen, sodass hier eben noch etwa 2 x 25 cm dazukommen.

Diese also wirklich e n g e Distanz beim heute in Berlin praktizierten Fechten macht aus Sicht des Autors eine Abkehr von dem zur Zeit dominierenden Fechtstil des Wedelns erforderlich.. Es gilt, mittels einer ‚angepassten‘ Armführung immer noch eine geeignete Schlagdistanz herzustellen, und hierzu ist der geschwippte Hieb (wie beschrieben) eine unabdingbare Voraussetzung .

Nimmt man für unser heutiges Fechten auch die Vorlage der ‚Akademischen Fechtschule‘ von 1925 als Maßstab, so ist für das Glockenrapier eine hoch/steil geführte Mensur anzustreben.

Der geschwippte Grundhieb (Quart/Prim/Terz) ist dafür die wichtige Basis. Es wird dort von einem Vorschnellen der Klinge ,das in dieser Abhandlung als ‚peitschenartig‘ beschrieben wird – im Ausschlagen gesprochen.

Es ist bisher schon festgestellt worden, dass die hierfür erforderliche Technik nicht ausreichend beherrscht wird, vielleicht aber auch nicht mehr als notwendige Orientierung im Rahmen des Fechtunterrichts geschult wird?

Dies wäre aber eigentlich gerade für das Glockenfechten ein charakteristisches Merkmal. Der geschwippte Hieb ist der Gegensatz zum tiefen Aufeinandereinschlagen. Mit ihm wirkt die Mensur offen, er macht die Hiebfolgen ‚elegant und frei‘.

Auch in der ‚Anleitung zum Fechten mit dem Korbschläger‘ ist der geschwippte Hieb ein wichtiges Element, wenn auch hier inzwischen die geschwungenen Hiebe zu dominieren scheinen. Hier bestätigt sich dennoch die Nähe zu unserem Glockenschläger. Dort lesen wir: ‚Das Schwippen wird durch die Lockerung der Finger und durch vermehrte Beugung des Handgelenks erreicht. Der Daumen rutscht zurück, bleibt aber in Führung mit dem Griff. Die Finger sind soweit gelockert, dass der obere Rand des Griffes gerade sichtbar wird … Das Handgelenk befindet sich in extremer Beugung (Drehung) nach der Ellenseite. Unterstützt wird der Effekt des Schwippens noch dadurch, dass die Faust möglichst hochgeworfen wird:‘ Wenn die Faust am höchsten ist, ist die Klingenspitze am tiefsten! Grundlegend auch wenn Angerer schreibt: ‚Der Arm wird nicht gegen den Kopf des Gegners bewegt, wie das beim Schlagen mit dem Stock getan wird, sondern der Arm bewegt sich vom Gegner (GP) dadurch weg, dass er nach links oben bewegt wird, wobei das beabsichtigte Auftreffen der ganzen Klingenschwäche im Trefferfeld erreicht wird‘. .. und weiter: ‚ Durch das hohe Herausschlagen bleibt man oberhalb des Armes und der Faust des Gegners und beherrscht ihn dadurch – man ist ihm ‚über‘. (Angerer, S. 8)

Das Schwippen mit dem Glockenschläger ist aufgrund der anderen Griffsituation vergleichsweise deutlich leichter zu bewerkstelligen. Hier darf sich der Zeigefinger – die Schlagrichtung anzeigend – anlegend strecken, während der Daumen seitlichen Halt gibt und die übrigen Finger fest den Griff umschließen.

Unmittelbar nach dem Ausschlagen der peitschenartigen Schwippbewegung wird der Zeigefinger aktiv, dreht schon im Ansatz des Zurückführens der Klinge, sodass schnell und auf kurzem Wege die Deckungsposition, mit zum GP zeigenden Bügel (und Schneide) erreicht werden kann. Der jetzt folgende Schlag des GP gleitet dann so an der eigenen Klinge auf oder trifft bei höher angesetztem Schlag Stulp, Glocke oder Bügel. Der sauber geschwippte Hieb gibt beim Paukboden ‚Rückmeldung‘. Er setzt nämlich mit einem deutlichen trockenen ‚Tok!‘ auf dem ‚Meier’/Phantom auf.

Hier soll noch einmal kurz erinnert werden:

Als Grundforderung an eine gute Technik gilt die hohe Hiebführung zum geschwippten Schlag, gutes Vorsetzen und effektives schutzgewährendes Abdrehen. Dies sollte auch bei  einem zügigen Schlagtempo umgesetzt werden können.

Ausführungen zu Grundhieben und Hiebkombinationen

Es sei eingangs noch einmal darauf hingewiesen werden, dass im Idealfall das Glockenfechten  möglichst leicht und elegant ausgeführt werden sollte.In diesem Sinne kann es nicht das Ziel seinl, in jeden Schlag besondere Wucht zu legen, um damit den Gegenpaukanten unter Druck zu setzen.. Es wurde zuvor auch schon angemerkt, dass weniger druckvolle Schläge das Abdrehen=die kontrollierte Rückführung der Klinge in die verhängte Auslage erleichtern.

Die Quart

Die bildliche Darstellung wird es später weiter verdeutlichen, dass die Schlaghand beim Schwippen linksseitig vor dem Körper nach der Aufwärtsbewegung ‚gestellt‘ wird. Dieses Abblocken lässt die Klinge bei zu ‚öffnender‘ Hand nach unten auf die Quartseite des GP schnellen. Die geschwippte Klinge wird dann mit einer unverzüglich eingeleiteten Linksdrehung wieder ‚eingefangen‘. Die hohe versetzte Ausschlaghaltung macht das Auftreffen mit möglichst ganzer Schwäche im Quarttrefferfeld möglich. Dies lässt sich auch als den oberen rechten Quadranten eines Zielkreises benennen, geht also vom Handgelenk des in der verhängten Auslage stehenden Gegenpaukantens– über den Bügel und die Glocke bis zur ganzen Stärke der  Klinge seines Glockenschlägers..

Nicht zufriedenstellend ist eine abfallende Bewegung der Schlaghand in Richtung Gegenpaukan(GP)t, wo sie dann im Ausschlagen der Klinge unter der Abdrehposition liegt. Die Folge ist eine starke Verkürzung der Mensur. Getroffen wird so in aller Regel der gegnerische Stulp mit der halben Stärke.

Dies sind dann in aller Regel gewedelte oder auch gestoßene Hiebe.

Die Terz

Auch die Terz ist in ihrer Grundform ein geschwippter Hieb. Sie ermöglicht ein Durchkommen auf dieser Seite, wenn der GP seinen Stulp in der Abdrehhaltung nicht hoch genug führt. Dies ergibt sich oft als Folge eines sehr hohen Schlagtempos.

Die Terz kann als Einzelhieb also nur dann ihr Trefferfeld  erreichen , wenn sie hoch angesetzt ist und der GP seinen Unterarm nach erfolgtem Hieb nicht ausreichend hoch und schnell genug anhebt. Dies ist meistens die Folge eines sehr schnellen Fechttempos.. Der Schlagweg aus der Verhängten ist hier sehr kurz , und die Rückführung des Schlägers kann mit einer 1/4- Linksdrehung zügig vollzogen werden.. Deshalb könnte man mit ihr gut einen Doppelhieb einleiten. Ein A-Tempo auf Quart lässt sich mit ihr auflösen, und dabei könnte es sogar zu einem Treffer kommen, wenn die Hieblage des GP zu tief gewesen sein sollte. Es bedarf schon gründlicher Übung, um eine hohe Terz sauber schlagen zu können. Hier ist nämlich eine extreme Handgelenkdehnung beim Schwippen notwendige Voraussetzung. Bei einer Schlagkombination wird sie als horizontale Terz aus der Außenquart heraus zum Schwunghieb, der in seiner Endphase hoch beschleunigt ausgeführt werden kann. Bei der Bonner Schleife wird sie im Anschluss an einen vertikalen linksseitigen Lufthieb, am besten auch geschwippt, eingesetzt.

Bei der Hallenser Terz folgt auf einen Lufthieb auf Quart und anschließender Linksdrehung  des Schlägers ein horizontaler Schwunghieb auf Terz, der mit der   Klingenvorderseite aufsetzt. Dieser Einstieg könnte dann gut von einer Außenquart mit anschließendem Zieher gefolgt sein.  Bei einer Partie rechts gegen links kann – wie es sonst bei der Rechtser-Partie auf Quart der Fall ist, die vom Linkser mit dem Speer geschützte Seit erreicht werden. Videosequenzen haben gezeigt, dass der Fechter sich oftmals eine Blöße auf Terz gibt, wenn er sich auf die Quartseite mit mehreren Hieben/Doppelhieben tief engagiert, und damit hoch ein Trefferfeld freigibt.

Die Terz kann sehr stark beschleunigt aus einer Außenquart heraus als Rückenschneidenterz, gefolgt von einer schwungvoll geschlagenen Horizontalquart, eingebracht werden. Allerdings ist hier unbedingt zu beachten, dass die Speerspitze dann nicht zu tief geführt werden darf, weil sie so nicht nur die angestrebte Trefferfläche verfehlen , sondern auch durchaus problematisch unter dem Schlagarm des GP hängen bleiben könnte.

Hiebkombinationen

Doppelhieb mit überstürzter Quart

Die überstürzte Quart ist dann als Doppelhieb praktikabel, wenn sie ohne Schlägerrückführung unmittelbar ’nachgesetzt‘ wird. Grundsätzlich bleibt hier durch das Vorsetzen der eigene Schutz, und wenn sich der GP aus der verhängten Auslage löst, besteht auch eine Treffermöglichkeit. Oftmals erweist sich diese Aktion als wirkungslos. Was hierzu fehlt, ist der unmittelbar angeschlossene Durchzieher. Dieser bietet sich auch als Folgehieb  nach einer normalen Außenquart an.

Quart – Zieher – Kombination

An die Hochquart oder Außenquart lässt sich einen Durchzieher anschließen, der auch Raum schaffen würde für eine anschließende geschwippte Terz.

Für den Zieher bedarf es aber eines gut dehnbaren Handgelenks – ein wichtiger Übungspunkt im Rahmen einer Fechtschulung. Dazu gehört auch eine spezielle Technik der Handöffnung. Es ist machbar, die Klinge aus hoher Hand bei nur ca. 50 cm Abstand vor dem ‚Meier‘ kreisen zu lassen.

Nicht jeder Durchzieher kann zum Treffer führen, aber er schafft Raum für eine Verlängerung der Hiebfolge. Dies gilt auch für eine ‚Befreiung‘ aus dem A-Tempo.

Grundsätzlich kann ein Zieher gut eingebracht werden, wenn der GP- auf eine Folge spürbar hochgesetzter Hiebe reagierend -seine Deckung hochgezogen hat.

Schlaufen/Schleifen

Schlaufen/Schleifen sind Klingenführungen, die als ‚Leerschlaghieb‘ in eine Schlagfolge eingebaut werden können. In diesem Sinne gehören sie zu den Lufthieben.

Hier sei zunächst nur eine solche Variante beschrieben: Paukant A schlägt zwei Quarten und fügt einen Leerschlag auf Quartseite am Paukanten B vorbei. Im Schwung, der wieder nach oben und dann links führt, wird das Handgelenk wieder zurückgedreht, die Klinge kann mit der Vorderschneide als Horizontalterz beim GP auftreffen. Dabei gibt die energische Streckung des Schlagarms den Impuls zu einer stark beschleunigten Klingenbewegung. Folgen könnte daraufhin eine Hochquart oder eine Außenquart mit anschließendem Durchzieher.

Diese Kombination wird ohne zwischenzeitiges Abdrehen durchgeschlagen. Sie ist der zweiten Phase sehr dynamisch. Der eigene Sekundant sollte darauf eingestellt sein, dass er die Zahl der geschlagenen Hiebe richtig sieht und dann zur Zeit einschreiten kann.

Es gibt weitere Lufthiebvarianten, deren Ziel es immer ist, aus dem regelmäßigem Schlagrhythmus herauszuführen und damit Lücken in der Deckung des Gegenpaukanten zu finden. Schlagen zum Beispiel beide Paukanten gleichzeitig an, so kann das A-Tempo auch durch einen Lufthieb unterbrochen werden. Der GP wäre dann gefährdet, wenn er sich beim erneuten Schwungholen mit zu tief geführter Klinge eine Blöße gibt, in die sein Gegenüber hineinschlägt.

Lufthiebe sind häufiger beim Austragen von PPs zu sehen. Sie sind nicht unproblematisch, weil die Rhythmusunterbrechung auch immer ein Risiko für den , der sie einbringt bzw. damit beginnt, darstellt.

Der Lufthieb könnte zum Bsp. auch horizontal über den Kopf des GP, wie auch auf Terzseite vorbei geführt werden. In jedem Fall ist hier aber zu beachten, dass es bei seiner Ausführung auch nicht zur geringsten Verzögerung in der gesamten Hiebführung kommen darf. Dies könnte als ‚lauern‘ ausgelegt werden, was grundsätzlich untersagt ist.

Es sei insgesamt vor allzu kühnen Schlagkombinationen gewarnt, wenn man sie nicht nach langer Schulung sicher einzubringen versteht.

Dies sei in einer Zeit gesagt, wo allein durch die Reduzierung von 3 auf 2 Partien auf das Band, das Interesse an einem gehobenen Fechtniveau tendenziell zurückgegangen zu sein scheint.

Die Möglichkeit der Anwendung solcher Techniken besteht allerdings nach wie vor. Der Leser möge bitte nachsichtig sein und verstehen, wenn sich der Autor an eine Zeit erinnert, in der ein Aktiver bis zu 15 Partien geschlagen hat, in denen auch solche Mehrfachkombinationen durchaus zu sehen waren.

Sie sind also absolut kein Muss. Ziel sollten in erster Linie sein, zügig und technisch einwandfrei ausgeführte Grundhiebe verbunden mit einer sicheren Schlagabdeckung anbieten zu können. Die Kenntnis von Schlagvarianten und die Fähigkeit zu ihrer Umsetzung haben jedoch schon des öfteren aus kritischen Situationen heraushelfen können.

Nota bene: Als Maß für eine gute Technik gilt bei Quart, Terz und Prim der geschwippte Hieb aus hoher Glockenstellung, und das verbunden mit einem guten Vorsetzen und sauberem Abdrehen.

Essentials zum Paukboden

Anhiebschulung

Ein zu langsames/verzögertes Absenken des Schlagarms seitens des den Anschlag Führenden birgt Trefferrisiken. Es deutet zudem auf wenig Entschlusskraft hin und erschwert den Zugang zu einer regelmäßigen Schlagabfolge.

Schwippen

Das Schwippen erfordert hohe Dehnfähigkeit und Beweglichkeit im Handgelenk. Dies herzustellen sollte einen wesentlichen Übungsschwerpunkt darstellen.

Schwungelemente

Ein sicheres Ziehen und Schwingen bei hoher Hand ermöglicht technisch einwandfreie Schlagkombination/Doppelhiebe

Treffergenauigkeit

Es empfehlen sich Übungen zum Erreichen des jeweils anvisierten Trefferfeldes. Unter Berücksichtigung der Sichteinschränkung sollte die Orientierung ‚blind‘ erfolgen können. Dazu kann auf dem Paukboden der ‚Meier‘ entsprechend markiert werden, dass es zu Schlagkontrolle kommen kann (Feldeinteilung mit Farbe/Kreide etc.)

Kraftschulung

Sie sollte nicht statisch ausgerichtet sein. Auf der Basis eine durch spezifische Übung erreichten höheren Grundkraft sollte dynamische Arbeit mit leichten Zusatzgewichten im Vordergrund stehen (z. Bsp. Handgelenkmanschetten).

Schlagübungen ohne Stulp

Sie sollten längere Zeit den Übungen mit Schutzkleidung vorausgehen. Den eigenen Schlag und seine Schlagrichtung zu beobachten, ist besonders wichtig. Kontrollübungen vor dem Spiegel sind hilfreich. Eine Einengung des Schlagweges durch diverse Stabhaltungen ist eine sinnvolle methodische Maßnahme.

Hinweise zum Erlernen des ‚Schwippens‘

  1. Gymnastische Dehnung des Handgelenks (Beugung/Dehnung) unter Zuhilfenahme der Hand des Nicht-Schlagarms

Kräftigende Greifübungen (Schaumstoff/Tennisball)

Leichtes Herunterpendeln und ‘Abfangen’ der Paukklinge vor den Körper; dann auch zur Sicherheit mit einemSchaumstoffblock vor den Füßen..Dabei kontrolliertes Handöffnen!

Tieferstellen des ‚Meiers‘: Überhöhte Schnur/Seil/Band davor. Das Seil muss deutlich über Kopfhöhe sein und relativ dicht vor dem Körper stehen (ca. 40 cm) bei normalem Abstand des Phantoms.

Der ‚Meier‘ kann dann in Stufen höhergestellt werden.

Wichtig ist darauf zu achten, dass beim Auftreffen der Klingenspitze ein anderes Geräusch (Tok!) als üblich zu hören ist.

Die Beschleunigung der Klinge beim Herunterschnellen muss zu spüren sein.

Das Schwippen ist die Endphase des Hiebes, wo dann der Zeigefinger den Schlagweg anzeigt, der Daumen einen parallelen oberen (seitlichen) Halt sichert und die 3 übrigen Finger Griffsicherheit geben.

Die erforderliche Höhe muss bis dahin durch das vorausgehende ‚Anschieben‘ aus der Schulter mit Hebearbeit aus dem Ellbogengelenk erreicht worden sein

Quarthiebübung zur Vermeidung einer Folge von Primen

Zieher/Durchzieher

Der Durchzieher ist eine Fechtbewegung, die aus einer Quartbindung (A-Tempo) herausführen kann. Er lässt sich gut aus einer Außen (horizontalen) – Quart ansetzen. Der gute Fechter kann ihn aber auch ansatzlos schlagen.

Beim Zieher kommt der entscheidende raumschaffende Impuls aus einem energischen Nach-links-Schieben des Ellenbogens, dem sich unmittelbar das starke Abkippen aus dem Handgelenk anschließt. In der dann fixierten mäßig hohen Stellung wird die Klinge nach links oben gezogen. Um zu einem Treffer zu kommen, muss dennoch ein leichter Druck Richtung GP vorhanden sein. Der Schwung der aufsteigenden Klinge kann danach unmittelbar nach Handdrehung in eine Hakenquart eingebracht werden. In einer Kombination könnte dann sogar noch eine weitere Außenquart angeschlossen werden.

Die derzeit in Berlin gezeigten Hiebvariationen beschränken sich im Wesentlichen auf eine überstürzte Quart (ohne vorausgehendes Abdrehen) als Nachhieb und Ansätze zu einem Durchzieher, der aber i.d.R. wegen nicht ausreichend vorbereiteten Handgelenks nicht zur Gänze realisiert werden kann. Es bleibt dann so eine meist wirkungslose tiefe Quart. Sollte es zu einem A-Tempo kommen, hätte der Paukant auch die Möglichkeit, sich mit einer Terz zu lösen, um wieder frei schlagen zu können.  Diese Variante gehört jedoch offensichtlich nicht zur gegenwärtigen Fechtpraxis. Da aber die hohe Terz nur noch selten zu sehen ist, ist deshalb das Trefferrisiko für die rechten Kopfseite des Paukanten recht gering!

Zur Bedeutung der Griffhaltung

Es ist festzustellen dass die Basis für ein flüssiges. elegantes Fechten mit dem Glockenschläger der geschwippte Hieb ist.

Leider ist in letzter Zeit das Wedeln an seine Stelle getreten. Hier glaubt der Fechter schnell fechten und erheblichen Druck ausüben zu können. Diese ‚Technik‘ ist leicht und in recht kurzer Zeit erlernbar. Es zeigt sich allerdings oftmals nachhaltig, dass sich der Fechter, wenn er sich einmal dieses Bewegungsmuster eingeprägt hat, kaum noch davon lösen kann. So wird oft wuchtig und eher wild ohne technischen Anspruch draufgeschlagen.

Der Schlägergriff wird dabei eng gefasst und geführt. Der Schläger stellt eine Verlängerung des Arms dar, beide sind eine Bewegungseinheit. Dabei brauche ich nicht die Hand zu öffnen (s.Stockschlagen) Es bietet sich auch ein gutes

Gefühl hinsichtlich der Griffkontrolle. Der Fechter sieht kaum die Gefahr, ihn aus der Hand zu verlieren. Je fester aber der Griff gefasst wird, desto schwerer ist es, ihn auch noch – wie vom technischen Standpunkt erwartet- zu drehen. Es wird dann also bei schneller Schlagfolge eher hin-und hergekippt. So lässt auch die als Variante zu sehende Außenquart und die ‚Überstürzte‘ schlagen.

Es sei aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der geschwippte Hieb erlernbar ist und mit ihm – auch in Verbindung mit dem Vorsetzen und Abdrehen -sehr schnell gefochten werden kann. Es ist Kennzeichen des geschwippten Hiebes , dass der Arm dabei relativ mittig steht und der Schwung der Klinge sich dann aus einer geblockten Stellung heraus dynamisch entfaltet.

Bei richtiger Griffhaltung ist dann trotz sich ‚öffnender Hand‘ kein Verlieren zu befürchten. Und das gilt sogar für eine extrem Schlägerführung wie sie zum Bsp. beim Durchzieher gegeben ist.

Zauberwort: Optimierung

Es ist beim Fechten grundsätzlich darauf zu achten, dass die Wege zum Hieb optimiert werden.

Die optimale Schlag- und Abdrehstellung soll auf kürzestem Weg zügig erreicht werden.

Die optimale Ausschlagstellung ist h o c h . Die Hand/Glocke muss in diesem Moment bei den Grundhieben i m m e r über der Position bei der verhängten Auslage liegen. Optimal ist die eingenommene Verhängte, wenn sie von keinem Hieb ‚durchbrochen‘ werden kann.

Ein ‚Dichtetest‘ – eine nicht beantwortete Folge von Hieben auf den in der Verhängten stehenden Fechtschüler- kann auch aufzeigen, ob der GP seine Position halten kann. Sie sollte dann lediglich durch einen tief gesetzten Zieher ‚unterlaufen‘ werden können.

Dazu bedarf es aber eines  e x t r e m dehnbaren Handgelenks, dass aktuell wohl kaum von einem Fechter angeboten werden kann.

Für diesen Test hat der Gegenüber also eine verhängte Auslage einzunehmen und muss sich dann diversen Schlägen ohne Erwiderung stellen. Der Schlagempfangende darf vor allem, wenn er tiefe druckvolle Hiebe spürt, nicht die Deckung gegen hohe Hiebe aufgeben, die taktisch sicher folgen werden, sollte der Schlagführende das bemerken.

O p t i m a l ist auch – schon mit dem Setzen des Hiebes an das Zurückgehen in die Verhängte zu denken, sie zu antizipieren versuchen, und in diesem Sinn ist auch wichtig, nicht allzu fest auszuschlagen. Dies ermöglicht nämlich eine schnelle Waffenkontrolle für die Rückführung und Drehung in dem erforderlichen ‚kleinen und flachen Bogen‘. Die Klinge darf – o p t i m a l geführt – nur  w e n i g ‚wegspringen‘!! An diese halbe Drehung schließt sich unmittelbar das energische Zurückführen des Schlagarm-Ellenbogens an. Als optimal ist dann anzusehen, wenn jetzt der Oberarm schnell und sicher seine Position der leichten Vorwärtsneigung für den erneuten Schlagansatz findet.

Die Wege müssen schnell und präzise vollzogen werden. Kurze, gezielte Wege sparen Kraft!

Für den optimalen geschwippten Quarthieb kann man sich bildhaft an der Winkelstellung eines Eishockeyschlägers orientieren: Den Oberarm aus der Verhängten mit dem Vorschieben des Schultergelenks kurz nach links ‚anschieben‘, dann den Arm hochführen und zum Ausschlagen ‘stellen’. Die Klinge peitscht jetzt nach rechts abwärts und findet mit ihrer ganzen Schwäche das anvisierte Trefferfeld.

Nachwort

Bevor in einem darstellenden Teil eine Reihe von Hilfen zum Erlernen der Fechttechnik anhand von Bildmaterial und Zeichnungen angeboten werden., soll hier schon ein Nachwort zu den vorausgegangenen Ausführungen stehen. Lassen sie mich es wiederholen : Unser heutiges Fechten mit dem Glockenschläger wird den technischen Möglichkeiten weitgehend nicht gerecht. Es vernachlässigt früher durchaus bekannte und praktizierte Standards.

Das Fechten ist Teil unserer corpsstudentischen Tradition. Es würde ihm gut anstehen, wenn es auf einem überzeugenderem Niveau betrieben werden könnte. Schließlich ist die gezeigte Technik ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung einer Mensur.

Es ist für den Beobachter oftmals schwierig zum Gesehenen ein ausgewogenes Urteil abzugeben, wenn er sich ausschließlich auf die – meist auch schon länger zurückliegenden – eigenen Erfahrungen bezieht. Dies auch unter den gegebenen Umständen, dass die nach vorn gerichtete, druckvolle Hiebausführung ohne ausreichendes Abdrehen (in der Literatur als ‚Stockschlagen‘ bezeichnet) leider fast zum Normalfall geworden zu sein scheint .Man ist daher geneigt, Defizite in der technischen Ausführung eher zu tolerieren.

Da keine aktuellen Bearbeitungen zum studentischen Glockefechten vorliegen, muss diese Abhandlung im wesentlichen aus Quellen älteren Ursprungs schöpfen. Das sind die grundlegenden Aussagen der ‚Akademischen Fechtschule‘ der Brüder Seemann-Kahne aus den Jahren 1925/26,, wie auch schon zuvor des L.C. Roux, dessen ‚ Hiebfechtkunst‘ aus Jahre 1885 stammt.

Hier ist allerdings zu berücksichtigen ist, dass aufgrund der damals existierenden viel weiteren Abstandsregelung und anderer Regeln für die Fechthaltung die Hiebstrukturen komplexer waren. Wie nachzulesen ist, wird damals aber schon präzise der ‚geschwippte‘ Hieb beschrieben und ausgeübt. Er sollte heute im Bemühen um ein sauberes regelgerechtes Auftreffen der Klinge zum festen Bestandteil einer Fechtschulung gehören.

Es stellt sich die Frage nach dem Ausgangsniveau des Fechtens mit dem Glockenschläger nach der Rekonstitution, zu dem aber durchaus der geschwippte Hieb gehört hat.

Viele Aktive haben damals mehr als die vorgeschriebene Zahl der Partien geschlagen , es wurde engagierter und variantenreicher gefochten, wofür der mit dem Sekundantenspeer von Brustbein zu Brustbein gemessene Abstand aber auch mehr Freiraum geboten hat.

Wenn jedoch nicht regelmäßig durch Seminare begleitet und geschult wird, um ein bestimmtes Niveau zu halten oder sogar zu verbessern, scheinen sich Veränderungen durchaus willkürlich oder zumindest eher weitgehend unreflektiert zu entwickeln.

Irgendein Aktiver oder der gerade für das Fechten Zuständige wird also irgendwann vorgeschlagen haben : Verkürzen wir den Abstand, das verringert die Verletzungsgefahr! Dies wurde dann entgegen der verbindlichen Vorgaben des Berliner Paukcomments eingeführt Jahre später hat man dann ,nachdem man sich dieses Verstoßes bewusst geworden war, die Schultermitte-Schultermitte-Regelung ohne qualifizierte inhaltliche Diskussion als Gewohnheitsrecht bestätigt! .

Nachdenklich macht auch die Tatsache, dass es bei einigen Berliner Corps zu einer Veränderung der Zahl der auf das Band zu schlagenden Mensuren gekommen ist, damit also die früher einheitliche 3-Mensurenregelung aufgegeben wurde.

Den Füchsen gestehen wir erfahrungsgemäß ein relativ verhaltenes Herantasten an das Fechten mit der scharfen Waffe zu. Geringes Tempo und noch keine stabile Technik sind zu dieser Zeit akzeptiert. So konstatieren wir auch jetzt noch ein eher niedriges Verletzungsrisiko.

Würde die gegenwärtige Zahl der Bandpartien noch mehr gekürzt, wäre es nicht auszuschließen, dass sich der Aktive kaum noch fechterisch weiter bemühen würde. Eine 3.Partie steht man schon irgendwie durch!

Für den Autor entsteht schon der Eindruck, das mit einer solchen Tendenz ein wesentliches konstituierendes Element der ‚Schlagenden Verbindung‘ aufgegeben werden könnte. Eine solche Diskussion wurde schon einmal in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts geführt.

Bisher gilt noch das Fechtprinzip, und deshalb sollte es von Nutzen sein, den Aktiven – wie mit dieser Schrift- Lernmaterial an die Hand zu geben, das sie die Anforderungen des Fechtens leichter bewältigen lässt.

Diese Abhandlung wendet sich natürlich auch an die Angehörigen anderer glockeschlagender Corps/Bünde.

Vielleicht weckt sie zudem das Interesse manch Älterer und damit die Erinnerung an vergangene Zeiten, in denen der Winter ihnen noch nicht seinen Reif auf die Locken hatte streuen können.

Bildliche Darstellungen zur Methodik des Fechtens

Fotos

Geschwippte Prim

Geschwippte Prim

Quart 1 : Der Hieb

Quart 2 : Das Abdrehen

Die Skizzen

Steile Auslage

Quart

Fehlerbilder

Wedeln

Wedeln 1

Wedeln 2 : Die Schlaglinie beim Wedeln

Schwungübungen

Zieher 1: frontal

Zieher 2: seitlich

Vorbereitender Lufthieb auf Terz und Quart

Doppelhieb

Außenquart – Horizontalterz

Quart – Zieher

Weitere Übungen zum Sich-aneignen einer kontrollierten Schlägerführung

Ausschlagposition / Hochquart

Die folgende Übung ist in mehrfacher Hinsicht zielführend.

Sie hilft die richtige Schlaghandhöhe zu finden und zu automatisieren.

Sie zwingt zu einer körpernahen Armführung.

Weiterhin lässt sie mit dem touchierenden Zeigefinger die Hiebrichtung schräg-rechts-abwärts anzeigen.

Besonders intensiv kann hier ohne eine Gewichtsbelastung durch den Glockenschläger die Schnelligkeit des Setzens und Abdrehens geübt werden.

Es empfiehlt sich, hat man den Bewegungsvorgang nach Einzelübungen im Griff, die Schnelligkeit der Bewegungsserien zu 4 und dann 6 Berührungen unter unbedingter Einhaltung einer sauberen Armführung mit der Stoppuhr zu überprüfen.

Am Band vorbei aufziehen

Enges Abdrehen aus der Hochquart

Der Übende steht frontal zum Phantom und schlägt zunächst einzelne Quarten, Ein Helfer steht mit hoch erhobenem Schläger links leicht versetzt neben ihm. Er ist ihm seitlich zugewandt, Schlägerrichtung im Winkel von 90 Grad . Er lässt den Quarthieb passieren und senkt ihn dann sogleich je nach Vermögen des Übenden mehr oder weniger tief ab. Mit einer Berührung des schräggestellten Schlägers beim Rückführen seiner Klinge in die Verhängte hat der Übende die sofortige Rückmeldung für ein zu hohes ‚Wegspringenlassen‘ der Klinge , was gleichbedeutend ist mit einer zu langen Öffnung. Dieser Zeitraum bis zum Erreichen der sicheren Verhängten sollte aber klein sein. Je kleiner der Halbkreis desto früher kann eine Deckungsposition erreicht werden.

Bei entsprechendem Geschick schiebt der Helfer seine Klinge im perfekten Rhythmus vor und holt sie zurück, so dass sogar eine Folge von Quarten geschlagen werden können.

Literatur

Begleitende Literatur

Friedrich und Christian Seemann-KAHNE: Akademische FechtschuleHg. Verein Deutscher Fechtlehrer, 1925/26, Neuauflage

L.C. Roux, Die Hiebfechtkunst, Jena 1885, Eine Anleitung zum Lehren und Erlernen des Hiebfechtens, Auszüge in der Anlage

G.Geilke: Die kleine studentische Fechtfibel, Hamburg 2006,dort umfangreiche weitere Literaturweise.

Henner Huhle, Vortrag: Geschichte und Waffen der Mensur, Köln 2006

ders. ‚Die Entwicklung des Fechtens an deutschen Hochschulen‘ in: Historia Academica, 1981 (2.Auflage)

Berliner SC-Comment, Berlin 2005, daraus 2. Teil Pauk-Comment

Peter Hauser (Hg.): Schmisse, Lappen. Knochensplitter, Hilden 2005

Mehrere Beiträge zur Mensur unter ‚Wikipedia‘

Weiterführende Literatur

Martin Biastoch: Duell und Mensur im Kaiserreich (am Beispiel der Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia zwischen 1871 und 1895). SH-Verlag, Vierow 1995. ISBN-3-89498-020-6

Herbert Boll: Die strafrechtliche Behandlung der Bestimmungsmensur. Breslau 1922

Otto Deneke: Ein Göttinger Studenten-Duell um 1766. Sonderdruck ohne Jahresangabe, Göttingen.

Egon Eis: Duell, Geschichte und Geschichten des Zweikampfs, K. Desch, München 1971. ISBN 342004609X

Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps. Eine historische Darstellung mit besonderer Berücksichtigung des Mensurwesens. Berlin 1898 (2. Aufl. 1926)

Michael Gierens: Ehre, Duell und Mensur, Darstellung und Begründung der christlich-ethischen Anschauung über Ehre und Ehrenschutz, Duell und Mensur auf Grund einer Synthese historischer, biblischer, juristischer, kanonistischer und philosophischer Erkenntnisse. Herausgegeben von der Akademischen Bonifatius-Einigung, Verband zur Pflege des religiösen Lebens in der katholischen Studentenschaft, Paderborn 1928.

W. Hammon: Studentisches Fechten. Oderthal Druckerei, Duisburg 1957, Hammon Essen ca. 1965. (Ms-Druck)

Fritz Hartung: Schlägermensur und Strafrecht.in: Neue Juristische Wochenschrift: C.H.Beck, München 7.1954. ISSN 031-1915

Fritz Hartung: Ist die Bestimmungsmensur strafbar? Rechtsgutachten, Heymann, Berlin-Köln 1955.

Hans Kufahl und Josef Schmied-Kowarzik: Der Zweikampf auf den Hochschulen. Geschichte des Zweikampfes nebst einem Anhang enthaltend Duellgesetzte und Paukcomment, Hilden 2006, ISBN 3-933892-17-1, Nachdruck des 2. Teils von Hans Kufahl und Josef Schmied-Kowarzik: Duellbuch, Leipzig 1896.

Andreas Laun O.S.F.S.: Die moraltheologische und kirchenrechtliche Bewertung der Mensur. In: Theologisch-praktische Quartalschrift. Pustet, Regensburg 135.1987, 52-58. ISSN 0040-5663

Konrad Lengfelder (Hrsg.): Dendrono-Puschners Natürliche Abschilderung des Academsichien Lebens in schönen Figuren ans Licht gestellt, 2. Auflage Altdorf 1993 (1. Auflage Nürnberg 1962)

Harald Lönnecker: „… bis an die Grenze der Selbstzerstörung“. Die Mensur bei den akademischen Sängerschaften zwischen kulturellem Markenzeichen, sozialem Kriterium und nationalem Symbol (1918-1926), in: Einst und Jetzt.

Studentisches Fechten

Hermann Rink: Vom studentischen Fechten bis zur Mensur: in: Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Verband Alter Corpsstudenten e.V. Band I. Würzburg 1985 (6. Aufl.). S. 151-171

Hermann Rink: Die Mensur, ein wesentliches Merkmal des Verbandes: In: Rolf-Joachim Baum (Hrsg.): Wir wollen Männer, wir wollen Taten!“ Deutsche Corpsstudenten 1848 bis heute. Siedler Berlin 1998. S. 383-402 ISBN 3-88680-653-7

Jürgen Kloosterhuis: Pudel und Partien.Studentisches Fechten und staatliches Mensurverbot im korporationsgeschichtlichen Wandel, untersucht am Beispiel der Hallenser Neoborussia von 1849 bis 1936. In: Beiträge zur Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg 1502-2002. Mitteldt. Verl., Halle 2002, S. 340-376. ISBN 3-89812-144-5

Kritische Literatur

Dietrich Heither, Michael Gehler, Alexandra Kurth: Blut und Paukboden. Fischer (Tb.), Frankfurt 2001. ISBN 3596133785

Norbert Elias: Zivilisation und Informalisierung. Die satisfaktionsfähige Gesellschaft. in: Michael Schröter (Hrsg.),

Norbert Elias: Studien über die Deutschen. Machtkämpfe und Habitusentwicklung im 19. Und 20. Jahrhundert. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1989. ISBN 3518579983

Albin Angerer: Anleitung zum Fechten mit dem Korbschläger. Verband Alter Corpsstudenten VAC, Würzburg 1961, Marl 1979.

Friedrich August Wilhelm Ludwig Roux: Deutsches Paukbuch. Mauke, Jena 1857, 1867, 1938, Neuaufl. Becker, Würzburg 1976

Josef Schmied-Kowarzik, hans Kufahl: Fechtbüchlein. Reclam 3301-3303, Leipzig 1884, 1926, Nachdr. Meyer, Bockhorn (Bredehorn) 1980.

F. und C. Seemann-Kahne: Akademische Fechtschule. Weber, Leipzig 1926, Nachdr. Becker in Komm., Würzburg 1993. ISBN 3-925615k-17-2

Weblinks

  • Informationen zur Mensur im BAM-Portal
  • Cousin: Mensurszene und Ablauf einer Mensur

„Warum wir fechten“: Gedanken und stehend-freihändige Assoziationen zur Notwendigkeit der Mensur im 21. Jahrhundert von Christoph Amberger Normanniae Berlin, Hannover Göttingen

  • Umfangreiche Erklärungen und Geschichte der Mensur
  • „Hoch bitte – Los!“ Erlebnisbericht von der ersten Mensur
  • Die kleine Studentische Fechtfibel – sehr ausführliche Beschreibung der Geschichte, Ablaufs, der Fechttechnik sowie des Paukcomments PDF
  • Die Aktivitas der Landesmannschaft Brandenburg im CC über ihre Motivation zu fechten, (Zeitgenössische Sichtweise)
  • Kongress für Paukärzte 2007
  • Zur Geschichte des Fechtens an der Universität Marburg

Youtube: Mensur in der Fernsehserie „Tatort“, Episode „Satisfaktion“, 28.Oktober 2007

Einzelnachweise

  1. Robert Paschke : Corpsstudentisches Wörterbuch. In: Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Verband Alter Corpsstudenten e.V. Band I. Würzburg 1985 (6.Aufl.) S.329 (Stichwörter PC und PP)
  2.  Hermann Rink: Die Mensur, ein wesentliches Merkmal des Verbandes. In: Rolf-Joachim Baum (Hrsg.): „Wir wollen Männer, wir wollen Taten!“ Deutsche Corpsstudenten 1848 bis heute. Siedler,Berlin 1998. S. 383f. ISBN 3-88680-653-7

3. Diana Auth, Alexandra Kurth: Männerbündische Burschenherrlichkeit. Forschungslage und historischer Rückblick. in: Christoph Butterwegge / Gudrun Hentges (Hrsg.), Alte und Neue Rechte an den hochschulen, Agenda-Verlag, Münster 1999, S. 114-129, S. 121

4.. Beispiel bei Norbert Nail, Gereon Berschin: Zur Geschichte des Fechtens an der Universität Marburg. o.J.,o.O., 5f.

http.//www.staff.uni-marburg.de/-berschin/Zur%20Geschichte%20des%20Fechtens.pdf

5. Norbert Nail, Gereon Berschin: Zur Geschichte des Fechtens an der Universität Marburg. o.J.,o.O., S. 1ff.

http.//www.staff.uni-marburg.de/-berschin/Zur%20Geschichte%20des%20Fechtens.pdf

6 . Konrad Lengenfelder (Hrsg.): Dendrono-Puschners Natürliche Abschilderung des Academischen Lebens in schönen Figuren ans Licht gestellt. 2. Auflage Altdorf 1993 (1. Auflage Nürnberg 1962), 4. Der fechtende Student.

7. Herbert Kater: Die Statuten der Universität Rinteln/Weser 1621-1809. Lateinisch-deutsche Synopse mit ergänzenden Dokumenten als Sonderheft Einst und Jetzt 1992,

S. 162

8. Otto Deneke: Ein Göttinger Studenten-Duell von 1766. Göttingen o. J. (1934)

9.. Franz Stadtmüller: Geschichte des Corps Hannovera zu Göttingen 1809-1959. S. 408 (Fn. 248).

10. Martin Biastoch: Duell und Mensur im Kaiserreich (am Beispiel der Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia zwischen 1871 und 1895). SH-Verlag, Vierow 1995. S. 24ff. ISBN 3-89498-020-6

11. In Göttinger Unterlagen sind für Bachmeister 51 Mensuren verbrieft, und da ansonsten in Jena und in Würzburg 15 Mensuren als Durchschnitt galten und Bachmeister eher als überdurchschnittlich gelten kann, wird die Schätzung von 100 Mensuren für realistisch gehalten. Siehe dazu Frank Huss: Fritz Bachmeister – Corpsstudent und Abenteurer. In

Einst und Jetzt. Jahrbuch 2008 des Vereins für corpsstudentische Geschichtenforschung. Band 53, Neustadt an der Aisch 2008, S. 366f.

12. Rolf Heinrichs: Hoch bitte – Los! Erlebnisbericht von der Mensur auf der Website des Kösener Senioren-Convents

13. Henner Huhle, Zu dieser Zeit – kaum zu glauben, in: Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. Band 36, 1991, s. 229-234 (Bericht über die Aufnahme des Paukbetriebes in der DDR im Jahre 1989)

14. vgl. Immo Garn, Der erste und letzte Mensurtag in der DDR, in: Deutsche Corps-Zeitung, Nov. 1990, S. 26.

15. Olaf-Martin Oels, Erinnerungen an den Anfang. Persönliche Erlebnisse aus der Aktivenzeit in der ehemaligen DDR. In: Jahrbuch Einst und Jetzt des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Band 43, 1998, S. 25-4  mit Mensurfotos und weiteren Literaturhinweisen

16.. Robert Paschke: Corpsstudentisches Wörterbuch. In: Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Verband Alter Corpsstudenten e.V. Band I. Würzburg 1985 (6. Aufl.), S. 321-333

28. In: Die Weltbühne,  31.Januar 1928, S. 163-170, hier s. 164f

  1. Anlagen: Literaturauszüge 

 Wikipedia:

   –   Pauken-  heute

„Die Verringerung des Mensurabstandes machte aus dem Fechten vor dem Körper mit weit vorgestreckten Armen ein Fechten über den Köpfen mit hochgestrecktem Armen und h e r u n t e r g e s c h w i p p t e r Klinge“.

„Das ermöglichte eine Position, in der der Fechter auch ohne reagierende Bewegung vollständig gedeckt ist und mit regulären Hieben nicht mehr getroffen werden kann (verhängte Auslage) … das ermöglichte gültige Mensuren ohne einen einzigen Treffer“. S. 28

„Beim studentischen Fechten stehen sich die Fechter in einer kurzen Mensur gegenüber, die zumindest während des Ganges nicht verlassen werden darf (feste Mensur)“.

–  Veränderungen bei der Mensur

  1.       Erhebliche Verringerung der Pflichtpartien

Die Bandbreite reicht von 1 bis 4/5 Partien

  1. Die defensiven Elemente verstärken sich beim Mensurfechten. Eine gute Deckung gehört heute zum technisch sauberen Fechten dazu.
  2. Neben der defensiven Einstellung der Paukanten (s. Peter Hauser) ist auch der gegenüber früher deutlich verringerte Abstand (die sog. Mensur) ein Grund dafür, dass es heute weniger Gesichtsschmisse gibt.

Hierzu ist auch die Tendenz festzustellen, den vorgegebenen Abstand noch zu unterschreiten.

→    Pauken S. 28

„Die Verringerung des Mensurabstandes machte aus dem Fechten vor dem Körper mit weit vorgestreckten Armen ein Fechten über den Köpfen mit hochgestreckten Armen und ‚heruntergeschwippter Klinge‘ …

Daraus entwickelte sich eine Form des Hiebfechtens mit komplexen und teilweise unnatürlichen Bewegungsabläufen.

Sie sollte sicherstellen, dass der Fechter a u s s c h l i e ß l i c h Schultergelenk, Ellenbogengelenk und Handgelenk und während seines Hiebes möglichst alle denkbaren Hiebe seines Gegners abwehren kann. Diese Änderungen zogen weitere Regelungen nach sich. Um ein flüssiges und sinnvolles chancengleiches Fechten zu ermöglichen, wurden kontinuierliche Bewegungen vorgeschrieben.

Ein ‚Liegenbleiben‘ oder ‚Lauern‘ wurde zunehmend ausgeschlossen. Teilweise wurde der Anhieb festgelegt … damit ein Wechseltempo … zustande kam.

Diese Konzeption besteht bis heute bei schlagenden Verbindungen an deutschen Hochschulen“.

(8.4.1953 Ende des studentischen Duellwesens)

Seemann- Kahne: Akademische Fechtschule

unter A Das deutsche akademische Hiebfechten …

„Der Knopf oder die Mutter (-Hutmutter), das Befestigungsmittel, darf keine scharfen Kanten haben, sondern muss oben abgerundet werden, damit der Handschuh oder der Stulp nicht zu leicht durchscheuert“.

„Das Gefäß des Glockenrapiers‚ besteht aus a) der Glocke, b) dem Bügel, c) dem Steg, d) der Büchse, e) dem Griff f) dem Knopf“

§ 1 „Die Klingenstärke dient zum Parieren, während man mit der K l i n g e n –

s c h w ä c h e den Gegner (GP) zu treffen versucht“.

→Klingenschneide auf Bügelseite  /  Klingenrücken  /  Klingen f l ä c h e n

§ 3 Das Anfassen des Glockenrapiers

„Man umfasst mit dem mittleren Gliede des Zeigefingers den Teil des Stegs, der mit dem Bügen in Verbindung steht, und nimmt das in der Glocke angebrachte L e d e r unter den Zeigefinger, so dass ihn der Steg nicht zu drücken vermag.

Der Daumen wird auf der dem Zeigefinger entgegengesetzten Seite l ä n g s des Griffes so ausgestreckt, dass er über das vordere Glied des Zeigefingers zu liegen kommt. Somit befinden sich beide Finger unter Höhlung der Glocke. Die letzten drei Finger der Hand (Mittel-, Ring-, Kleiner Finger) umschließen fest den Griff“.

(Erläuterung des Verfassers:

Beim geschwippten Hieb gleitet der Zeigefinger, der dann die Schlag-/Klingenrichtung anzeigt, aus der leicht gekrümmten Fassung in die Streckung. Der Daumen stützt dabei die Führung auf der anderen Seite. Die eigentliche Fassung des Schlägers stellen die übrigen Finger sicher, die den Griff umschließen. In Verbindung mit der Dehnung (hier immer als Beugung bezeichnet) im

Handgelenk ermöglicht dies, dass die ganze Schneidenschwäche bei hoch ‚gestellter‘ Hand ihr Trefferfeld finden kann.)

Die verhangene oder verhängte Auslage

A § 5 „Die Klinge wird vorwärts nach links abwärts in einem Winkel von 135˚ zur Längsachse des Fechters verbracht“. Sie darf nicht auf den Gegner (GP) gerichtet sein.

A § 9, 4 „A l l e  H i e b e  w e r d e n  d u r c h  E i n b i e g e n und s c h n e l  l e s

S t r e c k e n des Handgelenkes, H e r a u s s t o ß e n  d e s  A r m e s  a u s  d e m  S c h u l t e r g e l e n k e und mit der S c h ä r f e der Klinge rechtwinklig auf die Peripherie dies von uns gedachten Kreises ausgeführt“.

Jeder Hieb besteht aus 2 sehr schnell aufeinanderfolgenden Tätigkeiten a) aus der Setzung von Faust und Klinge in diejenige Richtung aus der wir den Gegner anzugreifen gedenken, dem H i e b a n z u g und b) aus dem damit verbundenen Schwung, der bestimmt ist, den Hieb _ Gegner zuzuführen. … Dann erfolgt das ‚Zurückgehen in die Auslage‘.

A § 10, 1 Die Prim

… Sodann benutzt man diesen Schwung, indem man die Klinge in senkrechter Richtung von oben nach unten unter Zuhilfenahme des Armes, H e r a u s s c h n e l l e n  a u s  d e m  S c h u l t e r g e l e n k (vgl. S c h w i p p e n !!) auf die Mitte des gegnerischen Kopfes führt. Der Griff liegt fest in der Hand. Der Daumen gleitet seitlich am Griff zurück …

A § 10, 3 Die Hochterz …. Die Klinge bildet mit der Längsachse des Fechters einen Winkel von 45˚.

„Aus diesem Winkel wird nun die Klinge von oben schräg nach unten nach der rechten Kopfseite des Gegners ‚vorwärtsgeschwungen‘, die Faust des Fechters bleibt dabei so h o c h  s t e h e n, dass b e i d e  A u g e n vor dem Stulp hersehen“.

A § 10, 4 Die Hochquart   Die Faust und Klinge stehen in einem Winkel von 45˚ zur Längenachse…

II. Zeit „Unter Beibehaltung dieses Winkels führen wir nun unsere Klinge auf die linke Kopfseite unseres Gegners, wobei das r e c h t e  A u g e an der rechten Seite des Armes vorbeisieht“.

Die Hakenquart (Winkelprim) landet auf Prim. Sie ist gern Teil einer Kombination.

„Man muss sie hoch setzen. Die _ Ausschlaghaltung ist weniger vorgesetzt als bei der Quart“.

§ 11 Die gezogene Hiebe

„Es ist falsch, wenn gesagt wird, die Anfänger dürfen ihrer Haltung wegen keine Durchzieher üben.

Im Gegenteil! Gerade durch dauerndes Üben der tiefen Hiebe werden die Gelenke gelockert, die Fingerkraft verstärkt, das Handgelenk geschmeidig gemacht. Je mehr die Hiebe aus dem Handgelenk geschlagen werden, umso sicherer und fester die Stellung“.

Nach dem Zieher kann gut die Hakenquart angeschlossen werden, aber auch eine sofortige Rückführung in die Verhängte ist möglich.

(Quart -> Außenquart ->Zieher ->verhängte Auslage)

Die Seemann-Kahnes sprechen auch die Finten an, die aber eher in tiefe Partien gehören. Man sieht sie heute kaum. Bei ihnen wird ein Hieb angesetzt, seine Schlagbahn aber während des Anziehens verändert.

Es wird sogar von Doppelfinten gesprochen.

Der Lufthieb lässt sich dagegen auch heute – allerdings recht selten – noch sehen. In der vorliegenden Darstellung werden stellvertretend dafür ‚Hallenser Terz‘ und ‚Bonner Schleife‘ genannt.

Beim Doppelhieb Quart-Außenquart sieht man nur ansatzweise eine Rückführung des Schlägers die eigentlich mehr als Schwungholen für die rasch folgende Außen- oder horizontale Quart gesehen werden muss.

L.C. Roux :   Die Hiebfechtkunst

Ein wichtiger Vorteil beim Hiebfechten: „Das Schwippen“ und einiges über die Unterschiede im Bau des Korb- und Glockenrappiers.

Sollen sich unsere Hiebe schwungvoll und trefffähig gestalten, so macht sich noch notwendig, dass wir den Griff nicht in der Weise festhalten, wie ihn die Hand in der Auslage umschließt, sondern dass wir der Hand etwas nachgleiten lassen. Dabei müssen aber die drei letzten Finger, welche den Griff umschließen, noch Fühlung mit demselben behalten. Nur bei den Hieben Sekond und tiefe Terz kann die Hand ihre ursprüngliche feste Schließung bewahren. Nur mit Hilfe dieses Vorteils allein vermag sich während des Hiebes die Faust auf ihrer ursprünglichen Höhe zu erhalten, in welcher sie unserer eignen Deckung wegen gesetzt ist. Durch dieses Nachgleitenlassen, welches wir „Schwippen“ nennen, bekommen unsere Hiebe einen derartigen Schwung, dass unsere Klinge im Bogen über die Paraden des Gegners geschleudert wird, was eben die Trefffähigkeit bedingt. „Dieses Schwippen muss uns beim Hiebfechten mit jeder Waffe möglich sein, obgleich sich dabei eine Verschiedenheit im Bau unserer Hiebwaffen bemerklich macht. Wenn ich auch eingangs erwähnte, dass sowohl mit dem Korb-, als auch mit dem Glockenrappier Gleiches geleistet werden kann, da sie beide den an einen richtigen Bau der Waffen gestellten Anforderungen entsprechen, so ist doch nicht zu verkennen, dass die eine oder andere Art der Anfassung der Waffe dem einzelnen Fechter mehr zusagt.

Ich habe nämlich beim Unterrichte gefunden, dass das Schwippen besonders in den „steilen Terzbewegungen“ den meisten Anfängern mit dem Korbrappier leichter geworden ist, als mit der Glocke. Umgekehrt habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Anfänger alle Hiebbewegungen in „Quart“ schwungvoller aus dem Handgelenk und ohne

Mühe scharf schlugen, wenn sie nicht das Korbrapier, sondern das Glockenrapier gebrauchten.

Dass die Korbanfassung zur Ausführung der steilen Terz vorteilhafter ist, hat in folgendem seinen Grund: Da man beim Korbrapier den Daumen als Gegenhalt gegen den Zeigefinger hinten auf die abgeflachte Seite des Griffs setzt, so behält der Daumen, auch wenn er während des Schwippens 3 cm auf dem Griffe zurückrutscht, immer seinen Gegenhalt gegen den Zeigefinger, so dass die Hilfe, welche der Daumen bei der Anfassung der Waffe mit leistet, auch beim Schwippen nicht verloren geht. Das mittlere Glied des Zeigefingers bleibt dabei ebenfalls unverändert in der Schlinge, und alle übrigen Finger behalten während des Schwippens noch Schluss am Griffe. Auf diese Weise kann man die Klinge bei dem Ausschlagen einer steilen Terz weiter aus der Hand nach dem Gegner zufallen lassen, muss aber auch wieder beim Zurückgehen in die Paraden noch besonders die Fingerkraft mit zu Hilfe nehmen.

Anders sind die Verhältnisse bei der Glockenfassung. Die Sicherheit der Glockenfassung

§ 23 L.C.Roux

  1. Die hohe oder steile Quart. Taf. IV Fig. 1. Man setzt die Faust aus ihrer hohen Stellung, welche sie in der Auslage einnimmt, nach links vorn in die Höhe der linken Stirn (der L. nach rechts), so dass man noch mit dem rechten (linken) Auge an der rechten Seite (linken) bez. Über den Arm und unter der Stärke der Klinge hinwegsehen kann. In Verbindung damit schwingt man die Klinge aus ihrer verhangenen Auslage neben dem linken (rechten) Ohr vorbei, bis die Spitze so hoch über dem rechten (linken) Ohr zu stehen kommt, dass Faust und Klinge nach rechts (links) hoch 45˚ von der Längenachse des Fechters abstehen, und wirft nun die Schärfe der Klinge der linken (rechten) Seite des Kopfes unseres Gegners zu, also in der Richtung e – a (d – a). Da bei diesem Hieb die Finger nach oben und die Knöchel nach unten gerichtet sind, so heißt diese Lage der Faust „Quart“, und zwar nach der Richtung, in welcher der Hieb geführt wird, „hohe oder steile Quart“.

L.C. Roux, S. 28

§ 29

Die Deckung und Veränderung der steilen Terz

Bei der steilen Terz stellen wir, wie oben beschrieben, die Faust soviel rechts (beim Linken links) hoch oder, besser gesagt, lassen dieselbe in der Auslage so hoch rechts (beim Linken links) stehen, dass wir mit dem rechten (beim Linken linken) Auge unter dem kleinen Finger hinweg sehen können. Da nun auch unsere Klinge bei der steilen Terz zu unserer Längenachse  in einem Winkel von 45˚ über unserem Kopfe steht und nach der rechten Seite des Kopfes unseres Gegners zeigt, so liegen wir unter der Stärke der Klinge gegen die Tempohiebe unseres Gegners: steile Terz und Prim gedeckt, Schläger derselbe aber gegen unsere steile Terz eine der drei Quarten, so muss er erst unsere Klinge durch einen weiteren Anzug umgehen, (er muss „überheben“), und wir haben nun Zeit gewonnen, seiner Klinge unsere Faust und Klinge nachzusetzen, so dass wir die Faust so tief nach links stellen, dass wir mir beiden Augen knapp über unseren Arm hinwegsehen können; und zugleich mit dieser Versetzung schlagen wir unsern Hieb nach dem ursprünglich ins Auge gefassten Angriffspunkt vollends aus Taf. VII Fig. 3.

L.C. Roux, S. 34

L.C. Roux

Anfassung ist, wie wir wissen, dadurch bedingt, dass der Zeigefinger über den Teil des Stegs greift, welcher mit dem Bügel in Verbindung steht. Und der Daumen, welcher auf der dem Zeigefinger entgegengesetzten Seite des Griffs, zu liegen kommt, äußert seinen Gegenhalt nicht nur durch den Druck auf den Griff, sondern hauptsächlich noch durch die Anlehnung an den Steg. Die Anfassung der Waffe ist von Natur eine viel festere, weil bei der Glockenanfassung die Finger den Griff so umfassen, dass sie ihre Kraft fast senkrecht wirken lassen können; denn die Längenachsen der Finger liegen zur Längenachse des Griffes rechtwinklig, wie es Figur a darstellt.

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